März 23

Habit Tracker - Mach Englisch zur Gewohnheit

“Ich habe nichts für mein Englisch gemacht.”

“Ich komme irgendwie nicht zum Üben.”

Kennst du?

Das Gefühl, irgendwie nicht voranzukommen, keine Zeit zum Üben zu haben, gar nicht genau zu wissen, ob du Fortschritte machst. 

Oder du machst zwar schon ab und zu was, aber nicht das, was du dir vorgenommen hattest. Die Hausaufgaben für den Unterricht machst du nicht, aber dafür liest du in der Mittagspause einen Blog oder schaust Youtube Videos. “Zählt” das dann?

Die Lösung könnte ein Habit Tracker sein.

Heute geht es um diese Listen mit den Häkchen und darum, wie Sprachenlerner sie sinnvoll einsetzen können.

Ich zeige dir:

  • Warum Habit Tracker keine Selbstoptimierungs-Folterinstrumente sind
  • Warum Habit Tracker funktionieren
  • Wie du Habit Tracker benutzen kannst, um dein Englischlernen besser zu verstehen und langfristig zu planen.

Habit Tracker? Nein danke!

Ja, ich weiß. Listen. Häkchen. Selbstoptimierung. Igitt. Bevor du jetzt wegklickst und Wombat Videos schaust, sieh es doch mal so:

Habit Tracker kontrollieren dich nicht. Sie helfen dir nur dabei, dich selbst ein bisschen genauer zu beobachten.

In ihrem tollen Buch über Emotionen schreibt Lisa Feldman Barrett: “You are the architect of your experience.” Ja. Und wenn du die Architektin deiner Lernerfahrung sein möchtest, musst du halt auch ab und zu mit dem Klemmbrett über die Baustelle gehen und beobachten, was klappt und was nicht.

"You are the architect of your experience."

Lisa Feldman Barrett // How Emotions Are Made

Dabei können Habit Tracker prima helfen.

Warum Habit Tracker funktionieren

Habit Tracker sind eigentlich nur aufgemotzte Strichlisten. Und wie so oft liegt das Geniale im Einfachen. James Clear schreibt in Atomic Habits recht ausführlich über Habit Tracker, weil sie so wunderbar funktionieren, wenn man sich neue Gewohnheiten angewöhnen will.

“It simultaneously makes a behaviour obvious, attractive, and satisfying.”

James Clear // Atomic Habits

Handlungen sichtbar machen

Ein Habit Tracker macht deine Fortschritte offensichtlich, also sichtbar. Du kreuzt jeden Tag im Kalender oder auf einem gesonderten Blatt an, ob du was für dein Englisch gemacht hast. Und nach einiger Zeit siehst du die Häkchen und die Lücken.

Der Habit Tracker zwingt dich also dazu, ehrlich mit dir selbst zu sein. Es kann sein, dass deine Einschätzung richtig war und du tatsächlich viel seltener Englisch übst als du willst. Es kann aber auch sein, dass du mehr machst, als du dachtest.

Da räkelt sich natürlich das Selbstoptimierungsmonster. Aber der Tracker soll nicht werten, sondern Daten sammeln:

Machst du mehr, als du dachtest? Oder weniger? Und wenn: Wie viel weniger im Vergleich zu dem, was du dir vorgenommen hast?

“Ich habe nur zwei Mal anstatt drei Mal Englisch geübt” fühlt sich doch komplett anders an als: “Ich habe nichts gemacht.”

Beobachte dein Lernverhalten und übernimm die Verantwortung für das, was du siehst.

Handlungen erfüllend machen: Fortschritt ist Fortschritt

Jetzt kommt was Schönes: Jedes Häkchen im Tracker bedeutet, dass es vorwärts geht.

Du hast bestimmt Ziele für dein Englisch. Die fühlen sich aber oft weit weg an. Außerdem lassen sie sich manchmal nicht gut messen. So was wie “entspannt beim Small Talk” oder “unbeschwert Fachvorträge anhören”. Mit einem Habit Tracker gewöhnst du dir an, dich mehr auf den Prozess zu konzentrieren als auf das Ziel.

Wenn du dich darauf konzentrierst, jeden Tag ein bisschen besser zu werden, dann machst du dir nicht so viele Sorgen darum, wie lange es dauert.

60-second-challenge

Du hast eine stressige Woche? Beim Blick auf den Tracker wird dir übel? Kleiner Trick: Unterfordere dich doch einfach mal absichtlich. Jeden Tag Englisch. 60 Sekunden. Da liest du einen Absatz in einem Buch, das du schon kennst. Oder du wiederholst zwei Vokabeln. Egal.


Warum? Weil du dann erfährst, wie es ist, in miniminimini-Schritten jeden Tag ein bisschen vorwärts zu kommen.

Handlungen attraktiv machen: Love your streak

Jedes Häkchen ist eine kleine Bestätigung: Du kannst das und du machst das. Du bist nicht mehr die Person, die Englisch in ihren Alltag bringen will. Du HAST Englisch in deinem Alltag. Du hast das selbst geschafft. Einfach so. In kleinen, aber stetigen Schritten. Der Habit Tracker ist der Beweis.

Und was, wenn ich es nicht durchhalte?

Na ja. Durchhalten ist ja so ein Wort. Es gibt diesen Ausdruck "don't break the chain". Man soll seinen “streak” nicht unterbrechen, diese Anzahl der Tage mit Häkchen ohne Unterbrechung. Was, wenn du jeden Tag ein Häkchen machen wolltest und dann einen verpasst? Was, wenn du drei Mal pro Woche üben wolltest, und dann wurde es nur ein Mal? Auch hier setzt das Selbstoptimierungsmonster zum Sprung an.

Wer sich mit dem “streak” unter Druck setzt, bestraft sich für eine Unterbrechung dann oft damit, gar nicht mehr weiter zu machen.

Aber weißt du, was?

Für deinen "streak" gibt es keine Medaille und auch keinen Lehrerbrief an stolze Eltern. Dafür regnet es aber auch keine Heuschrecken, wenn du aus dem Tritt kommst.

Du darfst mit deinem "streak" machen, was du willst. Es gibt Leute, die unterbrechen ihre "perfect streaks" absichtlich, um sich selbst zu zeigen: It's fine.

Aber dann mach weiter. Sonst fängst du bald wieder von vorne an.

Wie sieht das jetzt fürs Englischlernen aus?

Mit diesen Tipps gehts leichter.

Einmal entscheiden, dann nur noch machen.

Du solltest nicht alles in deinem Leben tracken, sondern nur die Sachen, die Priorität haben. Wenn du Englisch trackst, ist das die Entscheidung, dass es eine Priorität ist. Danach wird nicht mehr entschieden, sondern nur noch gemacht.

Tracke jeden Tag.

Nimm den Tracker jeden Tag raus und mach ein Häkchen. Oder halt nicht. Beides ist in Ordnung. Aber mach deine neue Englisch-Gewohnheit sichtbar.

Mach eine "high focus"-Liste und eine "low focus"-Liste

Du sitzt vor dem Tracker, im Kopf die 60-Sekunden-Challenge. Und fragst dich: Was mache ich denn jetzt in 60 Sekunden? Und damit ist die Zeit vorbei.

Das Ziel ist also, niemals überlegen zu müssen: “Was mache ich denn jetzt?”

Die Lösung: Listen

Du hast sicherlich konkrete Übungen, die dich deinem Ziel näher bringen. 100 Vokabeln für dein Fachgebiet lernen oder Hörübungen oder Selbstaufnahmen. Das sind "high focus"-activities, für die du Aufmerksamkeit und vermutlich auch mehr als 60 Sekunden brauchst.

Die "high focus"-Liste ist wichtig, damit du auch weiterhin an deinen konkreteren Zielen arbeitest.

Und dann gibt es die "low focus"-Übungen. Ein Buch lesen, einen Podcast hören, eine Lektion in einer App durchgehen oder eine Kochsendung schauen. Das geht ohne Block und Stift und Konzentration.

Die "low focus"-Liste ist wichtig für stressige, müde, lustlose Tage. Mach irgendwas von der Liste, und wenn es nur 60 Sekunden sind. Häkchen. Fortschritt. Ein kleiner. Aber ein Fortschritt.

Besonders gut ist es, wenn du in beiden Listen Übungen zum Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen hast. Dann kannst du gleich noch darauf achten, alle 4 Fähigkeiten zu üben.

Reflektieren und anpassen

Der Habit Tracker an sich ist nützlich, denn er kann dich motivieren und gibt dir eine realistische Vorstellung davon, was du machst.

Langfristig kann der Tracker dir aber mehr bieten.

Wenn du einen Habit Tracker verwendest, solltest du dir überlegen, was du eigentlich erreichen möchtest.

Ich will einfach jeden Tag was machen.

Häkchen. Kein Häkchen. Mehr nicht. Das kann sogar in stressigen Zeiten gut tun. Es geht voran. Trotz allem. Du bist weiterhin jemand, “der einfach jeden Tag Englisch benutzt”. Ist doch super.

Ich will mein Lernen besser verstehen und planen.

Wenn du genauer hinschauen willst, kannst du natürlich auch mehr Informationen im Tracker aufnehmen. Nutze zum Beispiel Symbole für "high focus" und "low focus" Übungen. Wenn du nach einigen Wochen merkst, dass du eigentlich nur noch "low focus"-Übungen machst, frag dich, woran es liegt und ob das zu deinen Zielen passt. Musst du was ändern?

Oder du merkst, dass du immer wieder Tage ohne Häkchen hast. Vielleicht versuchst du immer nur, “high focus” Übungen zu machen? Kannst du dich mit ein paar “low focus”-Einlagen entspannen und wieder selbst motivieren?

Der Tracker kann nicht nur sichtbar machen, ob du “dran” bleibst. Er hilft dir auch zu verstehen, was funktioniert und was nicht.

Wann übst du?

Eine andere Information, die sich leicht im Tracker verfolgen lässt, ist die Zeit, zu der du übst. Das kann die Uhrzeit sein, aber auch Kontext-Informationen wie zum Beispiel: "60 Sekunden lang Vokabeln wiederholt, während der Computer hochfährt."

Nach und nach bekommst du ein Gespür für die Tageszeiten, an denen sich Englisch gut in deinen Alltag einfügen lässt. Das kannst du ausnutzen: Du kannst zum Beispiel dein Englisch-Notizbuch gleich neben dem Computer liegen lassen.

Kurz zusammengefasst:

  • Ein Habit Tracker hilft dir, deine Gewohnheiten zu beobachten, herauszufinden, was gut funktioniert und kann dich sehr motivieren.
  • Ein Habit Tracker zeigt dir jeden Tag, dass du Fortschritte machst.
  • Ein Habit Tracker ist ein sehr einfaches Werkzeug, aber du kannst ihn gut mit anderen Methoden kombinieren, um dein Lernen besser zu verstehen.

Und ganz wichtig: Ein Habit Tracker ist für DICH da, nicht umgekehrt. Du kannst ihn so gestalten und benutzen, wie es für dich passt.

Und jetzt?

Anfangen. Der Habit Tracker kann ein Blatt Papier mit Kästchen sein. Du kannst auch eine App benutzen.

"Ja, müsste ich mir mal anschaffen."

Nee. Gleich runterladen und loslegen.

Quellen und Inspirationen:

Wenn du dich für Gewohnheiten interessierst und dafür, wie kleine Veränderungen einen großen Einfluss auf unser Verhalten haben können, wird dir James Clear, Atomic Habits gefallen. Clear, J. (2018) Atomic Habits, UK: Penguin.

Die Idee, den Habit Tracker als Datensammlung anzusehen, habe ich von Kerstin Cable, die sich mit Language Habits auskennt und in ihrem Podcast The Fluent Show Sprachenlerner*innen (und Lehrer*innen) inspiriert.

Ich hatte diesen Artikel lange in der Schublade. Dann habe ich Nina Goldhammers Artikel zum Prokrastinieren gelesen. Danke an Bock und Kohle.

Sonst noch: Feldman Barrett, L. (2017) How Emotions Are Made, Panmacmillan.



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