- Sagt man „bored of“ oder „bored with“?
- Und heißt es “no matter whether” oder “no matter if”?
Wer regelmäßig Englisch in echten Kontexten verwendet, wird immer wieder über solche Fragen stolpern. Denn: Je mehr Sprache du hörst und siehst, desto häufiger wirst du Fragmente im Kopf haben, von denen du nicht mehr genau weißt, woher sie kommen. Vermischst du da zwei unterschiedliche Strukturen? Oder hast du das mal anders gehört? Und warum hat die Person im Fernsehen oder im Bus oder im Büro das gerade anders gesagt als du es sagen würdest?
In solchen Fällen geht es tendenziell gar nicht darum, ob etwas “richtig” oder “falsch” ist, sondern eher um solche Fragen:
- Kann man das so sagen?
- Würde man eher dies oder jenes sagen?
- Geht beides?
- Gibt es die Kombination überhaupt?
- Welche Präposition kommt an dieser Stelle?
Als ich mit dem Studium in England angefangen habe, fand ich es sehr frustrierend, dass es keine einfachen Mittel gab, um solche Fragen zu beantworten. Da musste ich mich auf Wörterbücher verlassen, die oft seltsam künstliche Unterschiede zwischen sehr ähnlichen Varianten bemühten. Oder auf native speaker, die sowas sagen wie “hm, naja, ich weiß nicht, also ich würde das nicht sagen, aber ich kann nicht erklären, warum.” Oder: “Nee, das sagt man nur so und so.” Echt? Warum?
Ich habe relativ schnell gelernt, meine Fragen genauer zu stellen: “Ist das ein Fehler, oder würdest nur du das nicht so sagen?” Oder: “Würde dich das stören, wenn du es hörst oder liest?” Oder: “Würdest du noch verstehen, worum es geht?”
Die Sache ist ja so: Es gibt tatsächlich sehr oft mehr als eine mögliche Lösung. Manchmal liegt das tatsächlich an persönlichen Vorlieben, manchmal gibt es geografische Unterschiede (der oder das oder die Nutella – na?), manchmal haben sich einfach mehrere Varianten in die Sprache geschlichen und sind geblieben.
Da ist die Frage also gar nicht: Ist das, was ich da im Kopf habe, richtig?
Sondern: Sagen echte Menschen das so?
Oder auch: Welche Variante ist wahrscheinlicher? Und genau dafür gibt es mittlerweile ein Tool: Netspeak.
Was ist Netspeak?
Netspeak ist ein Korpus-Tool. Das bedeutet, dass bei Netspeak “unter der Haube” ein riesiger Datensatz mit echter Sprache steckt, den das Tool systematisch analysieren kann.
Ganz praktisch bedeutet das, dass Netspeak dir eben Fragen wie diese beantworten kann: Heißt es “no matter if” oder “no matter whether”? Geht beides? Welche Variante ist häufiger?
Was ein Korpus genau ist und warum das für dich als Englisch-Lernende relevant ist, erkläre ich in diesem Artikel: [LINK: Was ist ein Korpus? — Placeholder].
Netspeak in der Praxis: „bored of“ oder „bored with“?
Stell dir vor, du hast in der Schule gelernt, dass es „bored with“ heißt. Dann triffst du einen Native Speaker, der ganz selbstverständlich „bored of“ sagt.
Du schaust im einsprachigen Wörterbuch nach — da stehen nur Beispiele mit „bored with“. Sagst du dem Native Speaker jetzt, dass er das „falsch macht“? Nur weil du, deine Englischlehrerin und das Oxford Dictionary das so sagen?
In solchen Situationen ist Netspeak Gold wert. Du gibst einfach beide Varianten ein:
bored [of with]
Netspeak versteht das als: Hey, vergleiche bitte, wie oft diese beiden Varianten in der echten Sprache vorkommen. Das Ergebnis: „bored with“ ist mit etwa 75% die deutlich häufigere Variante.
Das heißt: Du bleibst bei „bored with“, aber du wunderst dich nicht mehr, wenn du auch mal “bored of” hörst. Und du musst dich nicht auf dein Bauchgefühl oder das “naja, ich sage es halt so” von anderen verlassen.
Korpus Werkzeuge wie Netspeak sind eine echte Geheimwaffe für Menschen, die verstehen, dass authentische Sprache vielfältig ist – und die ein bisschen Orientierung in dieser Wildnis suchen.
Die wichtigsten Netspeak-Funktionen
Netspeak analysiert Sprachblöcke mit maximal fünf Wörtern. Das klingt jetzt technisch, hat aber praktische Konsequenzen dafür, was du gut mit Netspeak machen kannst – und was nicht.
Hier sind die wichtigsten Funktionen, die ich immer wieder verwende:
1. Welches Wort kommt nach …?
Diese Situation hast du zum Beispiel dann, wenn du nicht weißt, welche Präposition auf ein Wort folgt.
bored ?
Das Fragezeichen steht für: Welches Wort folgt hier normalerweise? Netspeak gibt dir dann eine Liste der häufigsten Wörter, die in der echten Sprache auf „bored“ folgen. Wenn du auf die entsprechende Zeile klickst, zeigt Netspeak dir auch Beispielsätze dazu an.
2. Welche Variante ist üblicher?
Das ist mit Sicherheit meine Lieblingsfunktion bei Netspeak: Du hast zwei mögliche Formulierungen im Kopf und weißt nicht, welche häufiger vorkommt.
bored [of with]
a [large big major] change
Netspeak zeigt dir dann an, wie häufig die einzelnen Optionen vorkommen. Das gibt dir eine gute Orientierung und kann ein schneller Test für dein Bauchgefühl sein.
3. Welche Wörter stehen zwischen zwei Wörtern?
Du suchst nicht nach genau einem fehlenden Wort, sondern möchtest sehen, was typischerweise zwischen zwei Wörtern steht. Dafür gibt es drei Optionen:
wait … response
wait + response
wait * response
Diese 3 Optionen zeigen dir die häufigsten 1-3 Wörter, die in der Lücke stehen könnten.
Du findest übrigens auch eine gute Übersicht der Hauptfunktionen direkt bei Netspeak.
Was Netspeak nicht macht
Netspeak ist ein recht spezialisiertes Tool. Das bedeutet, dass du schon wissen solltest, was du damit anfangen kannst. Es ist kein “ach ich schaue einfach mal”-Tool, und es funktioniert ganz sicher nicht wie eine KI, bei der du deine Frage einfach irgendwie eingibst und auf eine sinnvolle Antwort hoffst.
Dafür ist es präzise.
Netspeak ist also ein bisschen wie ein Fieberthermometer: Es sagt dir, wie heiß deine Stirn ist — aber nicht, ob du krank bist. Es beschreibt Sprache, erklärt sie aber nicht. Und wie das Fieberthermometer ist Netspeak eben immer dann perfekt, wenn du eine “Netspeak”-kompatible Frage hast. Dann gibt es dir nämlich eine sehr schnelle, übersichtliche und passende Antwort.
Konkret bedeutet das:
- Du brauchst eine konkrete Frage, bevor du Netspeak öffnest. Wenn du “erstmal mehr über das Wort herausfinden” willst, nimm ein einsprachiges Wörterbuch.
- Die Nutzeroberfläche von Netspeak ist praktisch. Sie ist also in etwa so einladend wie ein Bibliothekskatalog – aber eben auch genauso effizient.
- Wie beim Bibliothekskatalog muss du lernen, welche Befehle bei Netspeak funktionieren – aber dafür gibt es eine gute Übersicht direkt auf der Startseite.
- Netspeak analysiert Wortgruppen mit bis zu fünf Wörtern. Das bedeutet, dass es dir keine Übersicht darüber gibt, in welchen Situationen ein Wort verwendet wird. Wenn du “in welchen Situationen kommt das Wort vor”-Beispiele suchst, dann nimmst du lieber Skell. Netspeak und Skell ergänzen sich gut, und wenn du beide Tools öfter ausprobierst, wirst du sehen, wann welches Tool besser zu deiner Frage passt.
Nicht sicher, welches Tool du nutzen solltest? Eine kleine Hilfestellung gibt es in meinem “Tool Decision Maker”-PDF. Das kannst du dir einfach hier herunterladen. [LINK]
Wie fängst du an?
Klar kannst du Netspeak einfach mal aufmachen und ausprobieren, was mit den unterschiedlichen Befehlen möglich ist.
Es ist aber wahrscheinlicher, dass du Netspeak wirklich nur dann verwendest, wenn du eine konkrete “dies oder das”-Frage hast.
Was ich empfehle: Sammle Sprachfragen irgendwo. Und schreib dir immer auf, was genau deine Frage war. Das kannst du zum Beispiel mit meinem “Tool Decision Maker” üben.
Wenn du zwei oder drei Fragen hast, die in die Richtung “diese oder jene Variante” gehen: Probier Netspeak aus.
Natürlich brauchst du dafür authentischen Input, der dir solche Fragen in den Weg legt – zum Beispiel die Podcast-Folgen von Ready but Stuck. Dort tauchen solche Fragen regelmäßig auf — nicht als abstrakte Übungen, sondern weil sie sich aus den Episoden ergeben. In den Workbooks gebe ich dir entsprechende Hinweise und auch Tipps dafür, welche Tools du wann benutzen kannst. Du übst also nicht „Netspeak. Du übst Englisch — und lernst dabei, wann welches Tool dir wirklich weiterhilft.
