Vokabeln merken – dein Poesiealbum für Wörter

Mai 28, 2022

Du kannst dir englische Vokabeln nicht gut merken?

Wenn du Vokabeln wirklich brauchst, lohnt es sich, Zeit in sie zu investieren. Das ist wie Beziehungsarbeit.

In diesem Artikel zeige ich dir, wie du ein "Poesiealbum" für neue Wörter anlegst und warum das eine gute Übung für deinen gesamten Wortschatz ist.

So merkst du dir Vokabeln nicht unbedingt schneller - aber effektiver.

Vergisst du Vokabeln manchmal sehr schnell? Ich auch.

"Ich möchte das mit Sendungsverfolgung schicken. Als Prio Brief. Das ist richtig, oder?"

Ich stehe in der Post. Auf meinem wichtigen Brief klebt ein Post-it. Darauf steht: "Prio". Ohne diesen Zettel komme ich ins Stottern, weil ich mir einfach nicht merken kann, dass diese Art der Sendungsverfolgung eben Prio-Brief heißt und nicht Einschreiben. Ich habe den Begriff schon mehrmals nachgesehen. Wenn ich in der Filiale stand, war er dann aber wieder "weg". Daher der Zettel. Und für diesen Artikel musste ich das Wort schon wieder nachschauen.

Ist aber nicht schlimm. Ich verschicke selten solche Briefe und ich arbeite auch nicht für die Post. Ich brauche das Wort also nicht oft. Schlimmer ist das, wenn ich mich nicht an Wörter erinnern kann, die ich ständig verwende, auf Englisch oder Deutsch. Den Unterschied zwischen "digitalisation" und "digitisation" hatte ich bis vor Kurzem auch nicht wirklich parat.

Warum ist das mit dem "Vokabeln merken" so schwierig? Warum bekommt man einige Wörter gefühlt sofort ins Langzeitgedächtnis und andere sind nach einigen Tagen oder sogar Minuten wieder "weg"? Und: Was kann man machen, um Vokabeln leichter im Gedächtnis zu behalten?

Kennst du das?

  • Erinnerst du dich an neue Vokabeln am nächsten Tag - aber nach einer Woche sind sie weg?
  • Weißt du manchmal genau, dass ein Wort in deiner Vokabelliste steht (irgendwo links oben auf der Seite, zweites oder drittes Wort) - aber mehr fällt dir nicht ein? Oder weißt du sogar, wo du warst, als du das Wort zuletzt wiederholt hast (im Zug, wir haben gerade am Essener Bahnhof gehalten und vor meinem Fenster stand ein Kind mit einem blauen Rucksack) - aber das Wort ist weg?
  • Hast du das Gefühl, dass dein Wortschatz "einfach zu klein" ist?
  • Lernst du Vokabeln, bist dir aber oft nicht sicher, ob du das richtige Gespür für sie hast? Hast du Angst, dass du ein neues Wort im falschen Kontext verwendest und dich blamierst?
  • Findest du, dass Vokabeln lernen zeitaufwändig und ineffizient ist?
  • Hinterfragst du oft, ob es sich lohnt, Zeit in bestimmte Vokabeln zu investieren?

Unser Gedächtnis geht seltsame Wege. Und diese Wege sind selten gerade und vorhersehbar - das Gedächtnis ist eine Assoziationsmaschine, die eher in Netzwerken "denkt".

Deshalb funktionieren Listen auch nicht. Oder: Nicht so gut. Oder: Eher für den Vokabeltest am Montag, aber nicht für das Meeting in drei Wochen. Auch "spaced repetition", das Wiederholen mit dem Zettelkasten, funktioniert für viele Menschen nicht wirklich, um neue Wörter sicher anzuwenden.

In diesem Artikel geht darum, wie du Vokabeln so lernst, dass du sie dauerhaft im Gedächtnis behältst, selbstbewusster anwendest und dabei auch noch dein bestehendes Wissen ständig aktivierst.

Es geht nicht darum, schneller zu lernen, oder mehr Wörter in deinen Kopf zu pressen. Es geht darum, mehr aus Wörtern herauszuholen.

Was Vokabeln lernen mit einem Poesiealbum gemeinsam hat

Hattest du in der Schule auch ein Poesiealbum? Die waren bei uns sehr beliebt. Beste Freundinnen klebten sich gegenseitig Bilder und Aufkleber in die Seiten und schrieben Gedichte. Wer nicht so dicke befreundet war, blieb bei Antworten auf vorgegebene Fragen. Ganz schlimm war es aber, wenn man gar keine Seite im Buch bekam. "Sorry, da war kein Platz mehr."

Der Prio-Brief hat keine Seite in meinem Poesiealbum. Ich denke nur dann an ihn, wenn ich ihn brauche- also sehr selten. Das Wort "Einschreiben" kenne ich schon so lange, dass es quasi zur Verwandtschaft gehört. Und "Sendungsverfolgung" ist so bildlich, dass ich es vermutlich nach der ersten flüchtigen Begegnung kannte.

Neue Vokabeln sind wie neue Bekanntschaften

Manche Bekanntschaften bleiben flüchtig, an manche erinnert man sich gerade noch, wenn man sie zufällig auf einer Party trifft, andere bleiben dauerhaft. 

Dauerhafte Freundschaften brauchen aber Aufmerksamkeit. Man muss Zeit mit neuen Freunden verbringen, sie kennenlernen. Wir schreiben zwar keine Poesiealben mehr voll, aber wir sammeln trotzdem Informationen, Erinnerungen und Bilder, die diese Person einzigartig für uns machen. 

Vokabeln lernen ist Beziehungsarbeit. Wenn wir eine Vokabel dauerhaft behalten wollen, sollten wir sie nicht behandeln wie flüchtige Bekannte. Du willst sie nicht auf einer Party treffen und überlegen, ob du sie aus dem Chor oder von einer Netzwerkveranstaltung kennst.

Und genauso, wie wir Menschen nicht kennen, nur weil wir wissen, wie sie heißen, lernen wir Vokabeln nicht durchs Pauken. Wir lernen sie, indem wir uns immer wieder mit Situationen und Themen beschäftigen, für die wir diese Vokabeln brauchen. Wir verbringen "quality time" mit ihnen.

Und jetzt zeige ich dir, wie das aussehen kann. Wir gestalten also quasi dein ganz persönliches Vokabel-Poesiealbum.

"Mach Vokabeln für dich persönlich relevant" - alles klar, und wie geht das?

In Poesiealben gibt es manchmal nur leere Seiten, aber manchmal werden Fragen vorgegeben. Konkrete Fragen haben den Vorteil, dass sie uns oft auf ganz unerwartete Ideen bringen. Außerdem nehmen sie uns den Druck, ohne Anhaltspunkte "kreativ" sein zu müssen.

Der Ratschlag "mach neue Wörter relevant für dich selbst" ist ja auch eher wenig hilfreich, wenn du nicht weißt, wie du das bitte anstellen sollst.

Hier ist also meine Vorlage für dein Vokabel-Poesiealbum, mit einer Liste an Fragen, die du für neue Wörter durchgehen kannst.

"Hi, what's your name?"- Wie schreibt und spricht man das Wort?

Hi, what's your name?

Wow, I have never heard that name before. How do you spell it?

That's a beautiful name! Am I saying it right?

Wenn du neue Menschen kennenlernst, willst du wissen, wie sie heißen. Dazu gehört auch, zu wissen, wie der Name ausgesprochen wird und wie man ihn schreibt.

Tipp: Achte auf die Rechtschreibung, Aussprache und Betonung

Ich erlebe immer wieder, wie Menschen über ein "unbekanntes" Wort fallen und dann feststellen: Ach, das kannte ich, ich habe es nur noch nie gehört. Theatre, zum Beispiel, oder mild. Im Englischen passen Laut und Schrift nicht immer gut zusammen, achte also auf die Schreibweise und die Aussprache.

Dabei hilft dir das Wörterbuch - meistens gibt es Beispiele, die du dir anhören kannst: Wie klingt das Wort? Welche Silben werden stärker betont als andere?

Beispiel: present / to present:

Dieses Wort gibt es als Nomen ("present" = Geschenk) und als verb ("to present" = vortragen, zeigen). Der Unterschied wird normalerweise im Satzzusammenhang klar, aber auch durch die Aussprache und die Betonung: Das Verb "present" klingt in etwa wie "prisänt" und die Betonung liegt auf der zweiten Silbe (preSENT). Das Nomen klingt etwa wie "präsnt" und die Betonung liegt auf der ersten Silbe (PREsent). Das Adjektiv "present" (anwesend) klingt genauso wie das Nomen.

Wenn du Englisch liest, hörst oder sprichst, brauchst du dieses Wissen, um nicht ständig ins Stolpern zu kommen oder Wörter nicht zu erkennen, die du eigentlich schon gelernt hast.

Wenn du noch einen Schritt weitergehen möchtest, kannst du dir auch anhören, wie das Wort im Satz klingt - denn da wirst du es ja vermutlich verwenden und auch hören.

Was bedeutet das Wort? Entsprechungen anstatt Übersetzungen

“What does ‘splendid’ mean?”

“I don’t understand the word ‘tweak’.”

“What’s a porpoise?”

Wer nach Vokabeln fragt, meint normalerweise: Was heißt das auf Deutsch?

Und wer im Wörterbuch nachschaut oder ein Online Tool wie DeepL verwendet, findet meistens auch schnell eine Antwort. Ob die dann zufriedenstellend ist, hängt davon ab, wie viele Bedeutungen und Nuancen die Vokabel hat.

Tipp: verwende ein einsprachiges Wörterbuch

Viele Menschen quälen sich damit, nach einer "perfekten" Übersetzung zu suchen. Das ist aber schwierig und oft nicht möglich. Sprachen lassen sich nicht perfekt aufeinander übertragen. Wir suchen deshalb eher nach der besten Entsprechung: Welches deutsche Wort entspricht diesem englischen Wort? Dieser kleine Gedankensprung erlöst dich von der Frage: "Aber wie übersetze ich es denn nun RICHTIG?"

He presented her with a bunch of flowers.

Was heißt "presented ... with"?

Auf dict.cc gibt es an die 20 Vorschläge. Welches ist der "richtige"? Alle, in bestimmten Situationen.

Wenn du dagegen im Collins Dictionary nachsiehst, ist das Ganze einfacher. In einsprachigen Wörterbüchern findest du englische Erklärungen für englische Wörter. Du lernst also, in Bedeutungen zu denken:

"If you present someone with something such as a prize or document, or if you present it to them, you formally give it to them."

(Collins Dictionary)

Eine gute deutsche Entsprechung sollte das "give" vermitteln, aber auch "formally". Sowas wie "darreichen" geht, oder "überreichen".

Wenn du nur im einsprachigen Wörterbuch nachschaust, verpasst du die Gelegenheit, genauer über das Wort nachzudenken: Was macht dieses Wort aus? Warum ist es anders als "give"? Anstatt lange zu grübeln, welche deutsche Übersetzung du jetzt aufschreiben sollst, schreib stattdessen eine Bedeutung auf: "A formal word for 'give'."

So kommst du aus dem Übersetzungsmodus raus. Du wirst englische Wörter nicht "genauso” wie deutsche Wörter verwenden. Du wirst englische Wörter als englische Wörter verwenden, mit ihrer ganz eigenen Bedeutung.

Du wünschst dir, nicht immer "im Kopf zu übersetzen beim Sprechen"? Dann hör auf, Englisch-Deutsch-Wörterbücher zu verwenden.

Zweisprachige Wörterbücher sind nur dann eine gute Ergänzung, wenn mal etwas wirklich nicht klar wird.

Lies den ganzen Satz

Gewöhne dir an, immer den ganzen Satz zu betrachten - nie nur eine Vokabel. Wenn wir ein Wort nicht verstehen, ist es verführerisch, nur dieses eine Wort herauszuschreiben. Du hast schon gesehen, dass das bei "present" nicht gut geklappt hätte. Context is everything.

Lies Wörterbucheinträge vollständig

Lies den Eintrag immer vollständig. Das Wörterbuch gibt dir nämlich wichtige Informationen zu anderen Eigenschaften der Vokabel, mit der du dich gerade beschäftigst. Um die geht es in den nächsten Teilen.

"Do you have any siblings?" -Wortfamilien kennenlernen

Du hast gerade gesehen, dass "present" ein Nomen sein kann, oder ein Verb, oder ein Adjektiv. Bei der Gelegenheit fallen dir vielleicht noch andere Formen ein, in denen "present" vorkommt - aber mit einer zusätzlichen Silbe oder sogar mehreren:

presentation, presentable, presenter, represent, representative

Verknote jetzt nicht dein Gehirn. Schau einfach, ob andere Formen mit im Wörterbuch-Eintrag auftauchen oder ob dir Varianten einfallen und schreib sie auf. Wenn du dir nicht sicher bist, ob sie etwas mit deinem ursprünglichen Wort zu tun haben, schreib sie trotzdem auf. Du kannst später nachsehen, ob dein Instinkt dich in die Irre geführt hat.

Es geht nicht darum, sofort einen kompletten Stammbaum zu erstellen. Genauso, wie du nicht sofort alle Geschwister, Onkel, Tanten und Cousins dritten Grades deiner Freunde kennenlernst, wirst du auch Wortfamilien eher nach und nach ergänzen.

"What do you do?" - Was macht das Wort im Satz?

Ich habe früher am Anfang des Schuljahres eine Klassenliste bekommen. Die bestand aus Portraitfotos der Kinder und ihrem Namen. In der ersten Woche habe ich Informationen ergänzt. Hat das Kind Geschwister in der Schule? Ist es allergisch gegen Wespenstiche? Wo ist der Epipen?

Davon wusste ich allerdings noch nicht, ob das Kind gerne Gruppenarbeit macht oder lieber in Ruhe liest. Ob es Geschwindigkeitsspiele mag oder lieber knifflige Logik-Rätsel. Ob es in der Pause Schach spielt oder auf dem Bolzplatz herumrennt.

Wenn wir neue Wörter kennenlernen, wollen wir wissen, wie sie sich in Gesellschaft verhalten - also im Satz.

Der Trick: Stell es dir auf einer Bühne vor

He presented her with a bunch of flowers. ("present + with")

Stell dir das auf einer Bühne vor: Da steht jemand, der einer anderen Person Blumen gibt. Ohne Blumen gehts nicht. Ohne die andere Person auch nicht. Und ohne "with" auch nicht. Und so entstehen Satzmuster:

X presents Y with Z.

Gleichzeitig findest du: He presented his work to an audience of 100 other scientists.

X presents Z to Y.

Wenn du erst mal anfängst, so über Wörter nachzudenken und dir die Muster bewusst zu machen, in denen sie stehen, wirst du feststellen: Bestimmte Muster wiederholen sich. Außerdem fällt es dir leichter, Beispielsätze umzuschreiben und eigene Beispiele zu finden.

Grammatik ist kein Selbstzweck - sie hilft dir, Sprache zu entknoten

Hier geht es nicht darum, alle Satzmuster zu "lernen", sondern darum, deine "language awareness" zu trainieren - deine Fähigkeit, hinzusehen, zu hinterfragen, was in dem Satz gerade passiert und wie die Wörter zusammenspielen, um einen Sinn zu erzeugen.

Wer beginnt, solche Muster zu erkennen, hat oft das Gefühl, dass sich ein Englisch-Knoten löst. Scheinbar willkürlich zusammengeschnipselte Sätze machen plötzlich Sinn, weil man versteht, wer welche Rolle im Theaterstück spielt - und dass der Unterschied zwischen "present something to someone" und "present someone with something" gar nicht so kompliziert ist: Es ist einfach ein anderes Theaterstück.

Daran zeigt sich, dass Grammatik kein Selbstzweck ist. Sie macht es uns nur leichter, zu beschreiben, wie sich Wörter normalerweise verhalten.

Schreib dir also immer Beispielsätze auf.

Wie finde ich diese Satzmuster?

Auch das steht im Wörterbuch - nur wird diese Information sehr oft "überlesen".

Für das Verb "present" steht im Collins Dictionary:

[VERBnoun + with] für "He presented her with flowers."

[VERBnoun + to] für "He presented his work to the audience."

Kurz zum Nachdenken: Wie gehts dir, wenn du solche Muster siehst?

  • Das ist ja spannend, ich achte nächstes Mal drauf.
  • Oh nein, muss ich das jetzt auch noch lernen?
  • Pah, das braucht doch kein Mensch.
  • Ich achte sowieso schon darauf.

Du brauchst nicht immer alles - it's YOUR English

Du brauchst nicht immer alle Varianten einer Vokabel - schreib dir auf, in welchem Satz das Wort dir zuerst begegnet ist. Das ist ein guter Anfang.

"Where do you live?" - In welchen Situationen passt das Wort?

Es gibt Menschen, die fühlen sich im Golfclub genauso wohl wie auf dem Campingplatz. Es gibt Menschen, die begeistert auf akademischen Konferenzen netzwerken, im Fußballstadion aber völlig verloren wirken. Und es gibt Menschen, die ihren Humor bei der Arbeit ein bisschen zügeln müssen, um nicht anzuecken.

Wörter sind da auch nicht anders. Es gibt Wörter, die fühlen sich überall wohl. Andere passen eher in den wissenschaftlichen Vortrag. Manche Wörter verwendest du nur, wenn du mit Freunden quatschst. Und andere sagst du lieber gar nicht.

Auch dabei hilft das Wörterbuch. Neben dem Verb "present" steht im Collins Dictionary eine "Frequency"-Angabe mit roten Punkten. Das Wort ist also relativ häufig. Die Beispielsätze geben dir weitere Hinweise darauf, in welchen Situationen du es verwenden kannst:

  • Sind das viele unterschiedliche Themen, oder eher Spezialthemen?
  • Sind das formelle oder informelle Beispiele - oder beides?

Du wirst sehen, dass sowohl "present with" als auch "present to" eher formell ist. Das Wort wird dir vermutlich nicht ständig begegnen.

Damit bist du auch schon bei der Frage nach dem Register und der Angemessenheit.

Sprachregister: Wie flexibel bist du?

Slang, Umgangssprache, Alltagssprache, formelle Sprache, Fachsprache, Babysprache ... wir sprechen alle jeden Tag in ganz unterschiedlichen Registern. Wir passen uns an unsere Umwelt an oder bestimmen selbst den "Ton" einer Unterhaltung.

Wenn du ein neues Wort lernst, wirst du es einem Sprachregister zuordnen - zumindest ungefähr.

  • Wo würdest du dieses Wort auf einer Skala von "umgangssprachlich" zu "formell" einordnen?
  • Kennst du andere Wörter, die einen anderen Platz auf dieser Skala einnehmen würden?
  • Was ist das einfachste, üblichste, allgemeinste Wort, das du kennst und das dieser neuen Vokabel entspricht?
Das ist eine gute Gelegenheit, um das Wort in dein bestehendes Wissen zu integrieren.

Wenn "present with" die formelle Version ist, dann ist "give" immer noch eine sehr gute Variante für alle Gelegenheiten. Und wenn "present to" eher formell klingt, ist "talk to ... about" auch wunderbar, oder?

Wenn du aber gerade "chuck" für "werfen" gelernt hast und feststellst, dass das doch sehr umgangssprachlich ist, solltest du dir noch kurz "throw" als gutes Alltagswort für jede Situation ins Gedächtnis rufen.

Alltagsvokabeln immer wieder recyceln

Wenn du Vokabeln einem Sprachregister zuordnest, aktivierst du dabei immer wieder Alltagsvokabeln, die überall passen. Sie sind wie die Menschen in deinem Leben, die du überallhin mitnehmen könntest. Du musst gar nicht darüber nachdenken, ob sie sich in einer bestimmten Umgebung wohlfühlen oder nicht. Sie sind nicht "langweilig" oder "zu einfach". Ganz im Gegenteil: Sie sind immer für dich da.

Und dann gibt es Menschen, die du in bestimmten Lebensbereichen sehr schätzt, aber nicht zum Spieleabend einladen würdest. "Social circles" zu mischen kann genauso riskant sein, wie Sprachregister durcheinander zu bringen.

Tooltipp: Du willst tiefer einsteigen? Klick hier >>

Je nachdem, wie viel Zeit du hast, kannst du noch einen Schritt weiter gehen und das Wort in ein Tool wie Skell eingeben.

Skell zeigt dir, wie das Wort in "echter Sprache" vorkommt. Dafür benutzt es einen riesigen Datensatz an existierender geschriebener und gesprochener Sprache als Datenbank. Diese Daten kann man mit Skell sehr nutzerfreundlich durchsuchen.

Du gibst das Wort einfach ein und schaust dir Beispiele an.

In diesem Fall würdest du eingeben: "presented her with", weil du ja die Beispiele für das Muster "X presents Y with Z".

Und dabei beobachtest du, dass es oft um Preise, Ehrungen oder Geschenke geht, wenn diese Struktur verwendet wird.

Wenn du im Vergleich dazu einfach "presented" eingibst, siehst du, dass es Beispiele aus ganz unterschiedlichen Themenbereichen gibt - und trotzdem sind sie alle eher formell.

Und wenn du anfängst, herumzuspielen und "presented with" eingibst, siehst du Beispiele aus der Medizin:

"A 45 year old man presented with dizziness."

"Present with" wird also auch verwendet, wenn jemand mit bestimmten Symptomen beim Arzt erscheint.

Tipp:

Ich gebe "presented" ein, damit ich wirklich nur Beispiele bekomme, in denen "present" als Verb vorkommt und nicht als Adjektiv oder Nomen.

"Who are your best friends?" - Kollokation

Freundschaften sind nicht immer logisch. Wir wissen oft gar nicht so genau, warum wir manche Menschen sehr sympathisch finden und bei anderen eher auf Distanz gehen.

Wörter machen sowas auch. Du merkst sofort, was an diesem Satz seltsam ist, oder?

“Ich habe heute Morgen ein Croissant gefressen.”

Warum sagen wir, dass Menschen “essen” und Tiere “fressen”? Es gibt keinen logischen Grund dafür. Wir verfolgen Ziele, aber wir jagen sie nicht - wir jagen ihnen höchstens hinterher. Tee ist schwarz und nicht braun oder golden.

Solche Beziehungen zwischen Wörtern heißen Kollokation. Dabei ist mir nicht wichtig, ob du das Wort “collocation” lernst - aber manchmal ist es gut, zu wissen, wie das Phänomen heißt, mit dem man sich gerade beschäftigt.

“Collocation” sehen wir, wenn zwei Wörter öfter zusammen auftauchen, als man logisch erklären könnte. Es geht also nicht um Regeln, sondern um Konventionen.

Wenn du ein Wort gerne näher kennenlernen möchtest, solltest du auch seine Freunde kennenlernen.

Redewendungen sind zum Beispiel besonders starke Kollokationen. Es gibt keinen Grund, warum die Wörter "gift" und "horse" häufiger beieinanderstehen sollten als "present" und "horse". Es gibt allerdings die Redewendung "Don't look a gift horse in the mouth". Der geschenkte Gaul erscheint wohl häufiger in der Sprache als das geschenkte Pferd. 

Dann gibt es aber auch noch Kollokationen, die wesentlich schwieriger zu fassen sind. Wie die mit dem schwarzen Tee und dem gegessenen Croissant.

Beispiel: present / to present:

Auch sowas steht im Wörterbuch. Collins hat ein integriertes "collocation dictionary", und auch Tools wie Skell oder netspeak zeigen dir übliche Wortkombinationen an.

Ein Beispiel: withdraw

Wenn du das Wort in Skell eingibgst, wirst du bemerken, dass "withdraw" oft in Bezug auf das Militär vorkommt ("withdraw troops") oder in Bezug auf Bewerbungen und Nominierungen ("He withdrew from the application process." "He withdrew his nomination.").

Aber die Beispiele passen nicht zu meinen üblichen Themen!

Wenn die Beispiele gar nicht zu Themen passen, über die du auf Englisch sprichst und schreibst, siehst du schon, dass deine Chancen nicht ganz so groß sind, dieses Wort dauerhaft im Poesiealbum zu behalten.

Du hast deine Zeit aber nicht vergeblich investiert: Du brauchst vielleicht nicht genau dieses Wort. Trotzdem können andere Wörter aus der gleichen Wortfamilie oder dem gleichen Wortfeld nützlich sein.

  • Verwenden Menschen in deinem Umfeld diese Vokabel?
  • Gibt es Wörter aus der gleichen Wortfamilie, die du öfter verwendest?
  • Gibt es ein allgemeineres Wort, das du sehr oft benutzt? (Denk an das Beispiel "chuck" und "throw")

An diesem Punkt beginnst du, die Vokabel nicht mehr nur zu "lernen", sondern dich wirklich damit auseinanderzusetzen. Du betrachtest unterschiedliche Möglichkeiten, den gleichen Sinn zu vermitteln.

Herzlich Willkommen in der Taboo-Masterclass.

"Aren't you the one who is really into baking bread?" - mit Assoziationen lernen

Ich kann mir Geburtstage nur sehr schwer merken. Namen auch. Dafür habe ich ein gutes Gedächtnis für Gesichter und für Anekdoten.

Was ist wichtiger: Genau zu wissen, wie eine Person heißt, oder sich daran zu erinnern, dass ihr euch auf einer Konferenz gemeinsam über das schwüle Wetter beschwert habt, weil es eure lockigen Haare in Heuhaufen verwandelt?

Wir haben nicht immer alle Informationen zu einem Wort parat. Deshalb ist es nützlich, neue Vokabeln in unser Netzwerk an Erinnerungen und Assoziationen einzubetten.

Assoziationen helfen deinem Gedächtnis und retten dich, wenn dir ein Wort nicht einfällt

Wer gewinnt beim Taboo? Genau, Menschen, die flexibel über Wörter nachdenken können, mit Assoziationen spielen, Synonyme und Gegenteile kennen. Wenn du ein neues Wort lernst, ist das eine wunderbare Gelegenheit, gleich ein ganzes Wortfeld zu aktivieren. So investierst du deine Energie nicht in einen isolierten Ausdruck, sondern baust ihn in existierende Strukturen ein. Du merkst sofort, wie der neue Ausdruck zu deinem bestehenden Wissen passt und bekommst Ideen dafür, in welchen Situationen du ihn benutzen könntest.

Beispiel: Hund

Denk an das Wort "Hund". Hunde fressen. Sie gehen Gassi, machen Hundehaufen und tragen oft ein Halsband und eine Leine. Hunde sind keine Katzen, aber Hunde und Katzen sind Haustiere. Für Hunde bezahlt man Hundesteuer, dafür bringen Katzen tote Mäuse ins Haus.

Je mehr du dich mit einem Ausdruck oder einem ganzen Wortfeld beschäftigst, desto besser kannst du dich spontan daran erinnern. Oder an andere Wörter aus dem Wortfeld.

  • Du hast übergeordnete Kategorien schneller parat (Tier, Haustier)
  • Du denkst an unterschiedliche Register (chuck/throw, give/present with)

Dieses Spiel mit Assoziationen hilft dir, alle möglichen Herausforderungen in Gesprächen zu meistern - wenn dir zum Beispiel ein Wort nicht einfällt, oder wenn andere Menschen in deiner Umgebung das Wort nicht kennen. Das ist besonders hilfreich, wenn du mit anderen non-native speakers sprichst, oder mit Menschen, die dein Fachgebiet nicht kennen.

It was so disgusting! I chucked it in the bin.

You chucked it?

Yes, like, I threw it.

Ah, okay.

Wenn du dir nicht sicher bist, ob andere Menschen dich verstehen, kannst du das Wort außerdem erklären oder umschreiben, oder du gibst ein Beispiel.

Ob du ein Wort kennst, weißt du eigentlich erst so richtig, wenn du es anderen erklären kannst - auf Englisch.

Wie war das? Vokabeln lernen soll sich ja lohnen. Und: Wir merken uns Vokabeln nicht, indem wir pauken, sondern indem wir uns mit ihnen beschäftigen.

Du willst ein neues Wort lernen?

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Workshops für dich und dein Englisch

Vokabeln lernen, Vorstellungsrunden überstehen, Small Talk lieben lernen - zu diesen Themen gibt es dieses Jahr Workshops.

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