“Ich möchte spontan Englisch sprechen können.”
Mit diesem Ziel kommen viele Menschen zu mir.
Aber hier ist das Problem: Spontan sprechen ist ein Mythos.
Die meisten Situationen sind gar nicht komplett spontan. Small Talk auf Konferenzen, Gespräche am Buffet, der Austausch mit Leuten im Team, oder typische Fragen beim Networking wiederholen sich ständig. Egal ob auf Englisch oder auf Deutsch.
Deshalb gilt:
Die beste Vorbereitung für spontanes Englisch ist: Vorbereitung.
Das musst du mir nichtmal glauben. Dafür schauen wir uns einfach mal an, wie Profis sich auf Gespräche vorbereiten.
Kurz und knapp:
- Die allerwenigsten Situationen sind wirklich komplett spontan im Sinne von „unvorbereitet“.
- Kommunikationsprofis bereiten sich auf “spontane” Gespräche vor – egal, ob sie mit Kidnappern verhandeln oder in Parlamentssitzungen dolmetschen.
- Vorbereitung bedeutet: Über mögliche Inhalte nachdenken
- Vorbereitung bedeutet: Sprache aktivieren
- Vorbereitung bedeutet: Körper und Stimme mitdenken
- Vorbereitung bedeutet: Einhören, damit Stimmen und Akzente vertrauter werden
- Vorbereitung schont deinen Arbeitsspeicher, während du auf Englisch kommunizierst.
- Das Ziel ist, sich auf das vorzubereiten, was einschätzbar und beeinflussbar ist, damit du mit den wirklich unvorhersehbaren Elementen besser umgehen kannst.
Inhalt
Was bedeutet “spontan sprechen” wirklich?
Du sitzt nervös auf dem Sofa. Morgen kommt der Kollege aus Oxford zu Besuch, abends wollt ihr gemeinsam mit der Forschungsgruppe essen gehen.
- Hoffentlich sitze ich nicht neben ihm.
- Was, wenn er mich etwas Unerwartetes fragt?
- Was denken dann die anderen am Tisch?
- Vielleicht sage ich lieber gleich ab?
Was würde dein Englisch in so einer Situation zu dir sagen?
„Hey, solche Situationen kennst du doch schon. Darauf können wir uns vorbereiten!“
Was viele Menschen vergessen: Die allerwenigsten Situationen sind wirklich komplett spontan im Sinne von „unvorbereitet“.
Wirklich unvorbereitet bist du eigentlich nur, wenn eine Situation dich völlig überrumpelt. Zum Beispiel, wenn bei einem Meeting plötzlich der Moderator ausfällt und du einspringen sollst.
Oder wenn auf einer Geburtstagsparty spontan alle etwas Nettes über das Geburtstagskind sagen sollen. Sag doch mal was Nettes, spontan. Und dann bitte auch nichts Plattes, sondern was Originelles, ganz wertschätzend. Und möglichst noch ein bisschen witzig.
Solche Situationen machen alle Menschen nervös – völlig unabhängig davon, in welcher Sprache sie gerade unterwegs sind. Wenn du dabei eine Fremdsprache sprichst, verstärkt das eigentlich nur noch eine Herausforderung, die ohnehin schon anstrengend wäre. Da ist es ganz wichtig, zwei Dinge im Blick zu haben:
Spontane Gespräche sind kein Test, sondern eine Möglichkeit, Beziehungen zu Menschen aufzubauen (LINK zu Text 1).
Die meisten Situationen, die wir als „spontan“ bezeichnen, sind es gar nicht wirklich.
Spontan heißt nicht: unvorbereitet
Wenn du jeden Freitag mit Kollegen Tee trinkst und sie dich jedes Mal fragen, was du am Wochenende vorhast – ist das dann noch spontan? Nein. Das ist eine Situation, auf die du dich gut vorbereiten kannst.
Wenn du auf eine Konferenz gehst und am Eingang Bekannte triffst – ist es dann wirklich überraschend, dass sie dich fragen, wie du angereist bist, in welchem Hotel du übernachtest, oder ob du einen Vortrag hältst? Eher nicht.
Selbstversuch
Mach mal eine Liste mit Situationen, vor denen du dich fürchtest, weil du da spontan Englisch sprechen müsstest. Dann nimm “Englisch” aus der Gleichung raus.
Ich würde Situationen als “spontan” beschreiben, in denen …
Dann hinterfragst du: Ist das wirklich eine spontane Situation? Hast du – Hand aufs Herz – noch niemals nie so eine Situation oder eine ähnliche Situation selbst gemeistert oder zumindest beobachtet?
Warum echte Profis sich vorbereiten
Ich habe letztens eine Folge von „Think Fast, Talk Smart“ gehört – das ist ein Podcast, in dem Matt Abrahams von der Standford Business School über strategische Kommunikation spricht. Also: Das ist kein Podcast für Menschen, die Englisch lernen, sondern ein Podcast für Menschen, die besser strategisch kommunizieren wollen. Und natürlich gibt es da viele Überlappungen mit dem, was du dir vielleicht auch konkret – oder noch ein bisschen bewusster – für deine Kommunikation auf Englisch aneignen möchtest. Große Hör-Empfehlung, wenn dich das Englisch nicht abschreckt.
Und Matt Abrahams spricht mit Menschen darüber, wie sie „in-the-moment communication“ hinbekommen. Also nicht “unvorbereitet”, sondern “live”: Es geht um Momente, die geplant und teilweise vorhersehbar sind – und in denen man trotzdem gut spontan handeln können muss.
Und weißt du, was alle Profis im Interview mit Matt Abrahams empfohlen haben?
Genau. Vorbereitung.
Da habe ich mich natürlich gefreut, schließlich ist das immer die allererste Frage, die ich Menschen stelle, wenn wir über „spontanes Englisch“ sprechen:
Was kannst du tun, um dich auf die Situation vorzubereiten? Was weißt du schon darüber?
Schön, wenn das auch ein FBI-Negotiator, eine Sportmoderatorin, ein NFL-Schiedsrichter, ein UN-Simultanübersetzer, ein Game-Show-Host und eine Auktionatorin von Sotheby’s sagen – also Menschen, die beruflich den ganzen Tag in anspruchsvollen Situationen mehr oder weniger spontan sprechen müssen.
Alle sagen: „Preparation is key.“
Warum Vorbereitung dein Englisch professioneller macht
Für Menschen, die Fremdsprachen lernen, ist das eine wichtige Einsicht: Vorbereitung ist nichts „für Anfänger“ oder „unsichere Menschen“ oder „Menschen, die halt die Sprache nicht gut können“.
Vorbereitung ist etwas für Profis, egal ob es um englische Gespräche geht oder um eine andere Sprache. Denn Profis wissen, dass effektive Kommunikation kein Zufall ist. Oder ein Talent.
Ich würde sogar so weit gehen, dass du einen kleinen Vorteil hast, wenn du in einer Fremdsprache kommunizierst:
Du bist gedanklich schon darauf vorbereitet, dass dir im Gespräch etwas Unvorhergesehenes unterkommt.
Das bedeutet:
Du bist nicht so überrascht, wenn etwas Neues aufkommt. Du bist mental darauf eingestellt, dass nicht alles perfekt läuft. Das macht dich weniger anfällig für Überraschungen als Menschen, die sich sehr sicher fühlen und dann von unerwarteten Wendungen aus dem Konzept gebracht werden.
Du hörst genau zu, weil du noch nicht davon ausgehst, dass du „eh schon weißt“ was andere sagen.
Du nimmst dir im Zweifelsfall mehr Zeit, zu überlegen, was du eigentlich in einer Situation erreichen willst, wie du auf die Menschen zugehen möchtest – und wie die Namen der anderen Menschen ausgesprochen werden. Wenn du im Beruf oder auch im Alltag Englisch sprichst, bist du eben ganz besonders aufmerksam.
So bereitest du dich auf “spontane” englische Gespräche vor
Ich schicke das mal gleich vorweg: Vorbereitung auf berufliche englische Gespräche oder Small Talk auf Englisch muss nicht aufwendig sein. Wie man so schön sagt: „A little goes a long way.“
Inhaltliche Vorbereitung
Überlege dir: Wer ist anwesend? Welche Themen könnten aufkommen? Was erwartet mein Gegenüber von mir?
Wenn dein Kollege aus Oxford zu Besuch kommt, kannst du dir schon mal anschauen, woran er gerade forscht. Vielleicht bist du auch neugierig, wie es ihm in Deutschland gefällt. Ob er zum ersten Mal hier ist. Oder du hast sowieso Themen, über die ihr normalerweise sprecht – dann erinnere dich nochmal bewusst daran.
Auf Englisch zu kommunizieren ist nichts komplett anders als die Gespräche, die du auch auf Deutsch führst. Auch da bereitest du dich ja mental vor – selbst wenn du das eventuell nicht so wahrnimmst.
Vorbereitung heißt nicht, das Rad ständig neu zu erfinden, sondern typische Gesprächsmuster bewusst wahrzunehmen. Dann fühlst du dich im englischen Gespräch schon nicht mehr so überrumpelt.
Sprachliche Vorbereitung
Inhaltliche und sprachliche Vorbereitung hängen natürlich eng miteinander zusammen.
Wenn du mit dem Kollegen über deine Wochenendpläne sprichst, kannst du relevante Themen und Begriffe kurz aktivieren: Stimmt, du gehst auf den Flohmarkt, wie heißt das nochmal auf Englisch?
Das Ziel ist nicht, dich bis ins Kleinste auf alle möglichen Themen vorzubereiten oder möglichst viele neue Wörter zu lernen. Du willst dich einfach schon ein bisschen aufwärmen und dein Gehirn auf die Sprache einstimmen, die in diesem Kontext vorkommt.
Im Interview bei „Think Fast, Talk Smart“ beschreibt ein UN-Simultanübersetzer sehr gut, warum er sich auf typische Phrasen oder Abkürzungen vorbereitet, die in einem bestimmten Kontext vorkommen könnten:
Er macht das nicht, um sich im Voraus möglichst viel Wissen in den Kopf zu pressen. Er weiß einfach: Wenn ich hier schon ein paar Begriffe kenne, rufe ich die schneller ab und habe dann Arbeitsspeicher übrig, wenn knifflige Herausforderungen kommen.
Warum Zuhören zur Vorbereitung gehört
Vorbereitung muss nicht bedeuten, dass du dich an den Schreibtisch setzt und dir Listen schreibst, oder dass du Antworten übst. Vorbereitung kann auch bedeuten, dass du aktiv zuhörst. Wie begrüßen sich Menschen normalerweise in deinem Büro? Was fragen sie einander am Kaffeeautomaten?
Wer Fremdsprachen lernt, ist sowieso immer eine Elster: Wir schnappen immer Phrasen, Gewohnheiten, Begriffe auf, wenn wir unterwegs sind. Und dann probieren wir sie im Gespräch aus.
Körper und Stimme auf Englisch vorbereiten
Wusstest du, dass man sich an Stimmen gewöhnen muss, bevor man Informationen optimal aufnimmt? Ich habe das vor einiger Zeit in einem Interview mit der Linguistin Jane Setter gehört. Das dauert selbst in der eigenen Sprache ein paar Sekunden.
Deshalb ist es gut, auch deine “Ohren” mit vorzubereiten, indem du dir vor spontanen Gesprächen auf Englisch schon irgendetwas anderes auf Englisch anhörst – möglicherweise sogar die Stimme der Menschen, mit denen du gleich sprechen wirst. Manchmal hast du ja vielleicht Zugriff auf Videos von Vorträgen oder Vorlesungen, die die Person gehalten hat.
Du kannst dir vorstellen, wie sehr ich mich gefreut habe, als auch der UN-Simultanübersetzer im „Think Fast, Talk Smart“-Podcast diesen Tipp geteilt hat. Hör dich ein, dann ist dir die Stimme oder der Akzent der anderen Person nicht mehr so fremd.
Wenn du deine Ohren sowieso schon aufwärmst, nimm gleich noch den ganzen Körper mit. Strecken, Gähnen, Stimme aufwärmen: auch das hilft dir, in spontanen Situationen gelassener zu sprechen. In diesem Artikel (Text 3) gebe ich dir konkrete Tipps für Übungen, mit denen du dein Englisch aufwärmen kannst, um im Gespräch präsenter zu sein.
Vorbereitung heißt nicht: auswendig lernen
Erinnere dich daran, was eigentlich dein Hauptziel in dieser Situation ist.
Denn das ist niemals, „perfekt spontan Englisch sprechen“. Du hast immer einen realen Grund, mit der anderen Person Englisch zu sprechen.
Das Ziel von Vorbereitung ist deshalb auch niemals, jede Unsicherheit auszuschalten. Das Ziel ist, sich auf das vorzubereiten, was einschätzbar und beeinflussbar ist, damit du mit den wirklich unvorhersehbaren Elementen besser umgehen kannst.
Vorbereitung bedeutet nie, dass du jetzt „auch noch“ vorher ein Portfolio zu jeder Interaktion erstellen sollst oder Fragen und Antworten auswendig lernen müsstest. Du bereitest dich einfach nur schon gedanklich ein bisschen auf die Situation vor: Wie intensiv du das tust, hängt von verschiedenen Faktoren ab.
- Wie vorhersehbar ist die Situation?
- Wie wichtig ist sie?
- Wie viel Zeit hast du?
Es kann wirklich schon ausreichen, kurz gedanklich zu fragen: Warum bin ich hier? Wie wird der Name der anderen Person ausgesprochen (oder wie frage ich sie danach)? Und wie stelle ich mich gleich vor?
Langfristige Vorbereitung heißt: Üben, üben, üben
Die meisten Situationen, die uns im Alltag begegnen, funktionieren wie ein Puzzle. Je öfter du ähnliche Situationen erlebst, desto mehr Puzzleteile erkennst du wieder. Das hast du in deiner eigenen Sprache irgendwann so gemacht – und auf Englisch machst du das nicht wirklich anders.
Nach und nach wird die Zahl der wirklich unvorhersehbaren Elemente kleiner, weil du ein Repertoire an Phrasen, Themen und Strategien entwickelst, die du immer wieder anwendest. Begrüßen, auf Fragen antworten, über den Urlaub sprechen, das letzte Paper zusammenfassen, erklären, auf welche Fördergelder du dich gerade bewirbst, Begriffe definieren, Essen bestellen, die Toilette suchen, eine Grafik erklären, über das Essen sprechen, eine Anekdote von der letzten Konferenz erzählen, sich nach einem beeindruckenden Vortrag mit der Speakerin vernetzen.
Du weißt: Sowas war auch auf Deutsch beim ersten Mal aufregend und neu. Aber genau deshalb fängst du ja mit der Vorbereitung nie von Null an. Du baust auf dem auf, was du schon kennst.
Simple, but not easy: Wie so oft gilt: Die Strategie klingt einfach („ja klar, bereite dich halt vor“), ist aber nicht leicht.
Du brauchst ein bisschen Zeit.
Du musst dich daran erinnern, dir diese Zeit zu nehmen.
Du brauchst ein bisschen Routine darin, zu erkennen, wie du dich vorbereiten kannst – ohne dir dafür einen Tag frei nehmen zu müssen.
Du brauchst das Vertrauen, dass Vorbereitung dich und dein Englisch ein Stücken näher an „wir bekommen das schon hin“ bringt.
Wie kann ich spontan Englisch sprechen lernen?
Da die meisten Situationen gar nicht wirklich “spontan” sind, sondern teilweise hervorsehbar, hilft gute Vorbereitung: typische Themen überlegen, relevante Begriffe aktivieren, sich gedanklich und sprachlich auf die Situation einstellen.
Was, wenn ich nicht alle Wörter habe?
Das passiert auch Profis. Wichtig ist nicht, jedes Wort zu kennen, sondern effektiv zu kommunizieren. Vorbereitung hilft dir dabei, wichtige Begriffe schneller abzurufen und im Zweifelsfall mehr “Arbeitsspeicher” übrig zu haben, um Wörter zu umschreiben. (Strategien gibt es hier: Interner Link zu “Cook what’s in the fridge”).
Wie kann ich das üben?
Du kannst dir angewöhnen, dich auch in deinem normalen Alltag auf Inhalte, Themen und mögliche Ausdrücke vorzubereiten – wenn du diese Gewohnheit entwickelst, ist der Schritt zu Englisch nicht mehr so groß. Hier gibt es übrigens noch weitere Übungen und Tipps. Und natürlich ist es immer eine gute Idee, dir “Verbündete” zu holen, also Accountability-Partner (LINK zu Text) oder eine Gruppe (Link zu Text). Und wenn du dich ein bisschen herausfordern möchtest: In meinem Podcast Abo “Ready but Stuck” gibt es immer Reflektionsfragen, mit denen du Sprechen üben kannst.
Was, wenn ich Angst vor spontanen Gesprächen auf Englisch habe?
Hoffentlich hilft es dir zu wissen: Profis bereiten sich vor. Und zwar nicht nur auf Gespräche in einer Fremdsprache, sondern auf Gespräche in ihrer eigenen Sprache. Du findest spontane Gespräche schwierig? Das ist okay. Erinnere dich daran, dass du das irgendwann auch in deiner eigenen Sprache gelernt hast. Und falls du an dieser Hürde immer wieder stehen bleibst: Such dir Unterstützung. Hier kannst du ein kostenfreies Kennenlerngespräch mit mir vereinbaren.
Was, wenn ich keine Zeit für Vorbereitung habe?
Du hast gerade einen langen Artikel zu diesem Thema gelesen. Bist du dir sicher, dass du keine Zeit hast? Erfahrungsgemäß liegt das Problem mit dem spontanen Sprechen eher woanders. Bevor du entmutigt bist, weil du dir nicht vorstellen kannst, wie du realistisch Zeit für Vorbereitung aufbringen sollst, schau mal, ob dich dieser Artikel auf neue Ideen bringt (Text 1), oder ob dieser Artikel dir doch Lust macht (Text 3). Und wenn du Rat brauchst: Mach gerne ein Kennenlerngespräch mit mir aus. Du bist dir nicht sicher, wie du dich zeitsparend und sinnvoll auf Englisch-Situationen vorbereitest? Sprich mit mir. Vereinbare hier ein unverbindliches Kennenlerngespräch
