„Ich benutze zu einfache englische Wörter.“

aktualisiert am 8. Januar 2026

Veröffentlicht am 8. Januar 2026

Ich höre diese Klage immer wieder, wenn ich mit Menschen spreche, die ihr Englisch verbessern wollen. Sie finden, dass sie zu wenige Wörter kennen. Und die Wörter, die sie kennen, sind zu „einfach“.

Was sind eigentlich „einfache Wörter“?

Einfach heißt: häufig

Wörter sind ja an sich weder einfach noch schwierig. Eigentlich sind Wörter, die wir „einfach“ finden, nur Wörter, die wir eben schon kennen. Und meistens kennen wir Wörter besonders gut, wenn sie besonders häufig in einer Sprache vorkommen. „Einfache“ Wörter sind also übliche Wörter. Wir kennen sie gut, weil wir sie schon sehr oft gesehen und benutzt haben.

Wenn du ein einsprachiges Wörterbuch benutzt, kannst du das übrigens sehen. Im Collins Dictionary wird zum Beispiel durch rote Kreise angedeutet, wie häufig ein Wort in der Sprache vorkommt. Im Oxford Learners‘ Dictionary wird angegeben, welchem Sprachniveau ein Wort zugeordnet wird – und auch das bedeutet nichts anderes als: Wörter, die in den Niveaus A1 oder A2 vorkommen, sind eben besonders häufige Wörter. Ein Wort, das du eher auf B2 oder C1 Niveau kennenlernst, ist nicht an sich „schwierig" oder „komplex", oder „besser“ als ein A1 Wort. Es kommt einfach seltener vor. Deshalb kann es dir auch passieren, dass du ein Wort siehst und denkst: „Häh, warum ist das ein B2 Wort, das kenne ich doch schon ewig." Tja. Das liegt vermutlich daran, dass du deine englischen Vokabeln nicht stur nach Sprachniveaus lernst, sondern je nachdem, was du gerade so brauchst. Und wenn du schon länger meinen Newsletter liest, dann kennst du das Wort „curious“ eben – auch wenn du dich sonst nicht im B2-Niveau einordnen würdest.

Also: Wörter haben an sich keine Niveaus. Sie sind nur mehr oder weniger „common“, also üblich.

Und das bedeutet:

Wörter, die du einfach findest, kommen häufig in der natürlichen Sprache vor – sie sind also ganz besonders nützliche und damit besonders gute Wörter.

Nicht alle Menschen finden die gleichen Wörter einfach

Ob du ein Wort einfach findest oder nicht hängt also zu einem großen Teil davon ab, wie oft du dem Wort begegnest. Da ist auch schon der Haken: Nicht alle Menschen finden die gleichen Wörter „einfach“.

Welche Wörter du einfach findest, hängt davon ab, womit du dich auf Englisch beschäftigst. Das ist ganz besonders wichtig, wenn du viel Fachliteratur liest oder dich im Team oft über ähnliche Themen unterhältst. Dein „einfacher Wortschatz“ überschneidet sich zwar vermutlich mit dem anderer Menschen, aber Außenstehende oder Menschen mit anderen Interessen werden nicht exakt die gleichen Vokabeln einfach finden.

Wenn du also sehr spezifische Begriffe verwendest – also Fachbegriffe oder Ausdrücke, die sehr spezifisch für dein Unternehmen oder dein Team sind – dann achte darauf, ob dein Publikum diese Begriffe auch „einfach“ finden würde oder ob du sie kurz erklären solltest.

Warum du einfache Wörter lieben solltest

Einfache Wörter helfen dir beim Sprechen.

Beim Sprechen hast du automatisch weniger Zeit, um über deine Wortwahl nachzudenken. Du bist viel zu sehr damit beschäftigt, deine Gedanken zu sortieren und irgendwie in Worte zu fassen.

Wenn du also gerne fließender sprechen möchtest, dann solltest du deine einfachen Wörter lieben lernen.

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  • Das sind die Wörter, die du jederzeit zur Verfügung hast. Also zögerst du weniger.
  • Das sind die Wörter, deren Bedeutung du wirklich kennst. Also hinterfragst du nicht, ob das, was du gerade gesagt hast, auch das bedeutet, was du meintest.
  • Das sind die Wörter, die du leicht aussprechen kannst. Du verhaspelst dich also nicht.

Wörter, die für dich „einfach“ sind, erlauben es dir, deinen „Arbeitsspeicher“ zu schonen und für deine Inhalte und deine Argumentation zu verwenden. Und das geht nicht nur dir so, sondern auch deinem Publikum.

Dein Publikum mag deine einfachen Wörter.

Ich spreche immer wieder mit Menschen, die sich Sorgen darum machen, „zu einfach“ zu sprechen und damit ihr Publikum zu verschrecken. Ganz ehrlich: Das ist extrem unwahrscheinlich. Hast du schon jemals mitbekommen, dass irgendjemand gesagt hat „die Idee war toll, aber die Wörter fand ich nicht komplex genug“? Nee, oder? Was ich aber tatsächlich immer wieder mitbekomme, ist, dass Menschen sowas sagen wie: „Ich konnte nicht ganz folgen, aber es klang sehr interessant/überzeugend/beeindruckend.“ Gerade, wenn da ein internationales Publikum im Raum ist, bringt es doch nichts, wenn die tollen, komplexen Wörter ausgepackt werden, hinterher aber niemand weiß, worum es ging?

Verständnisprobleme werden tendenziell nicht von „non-native speakers“ verursacht, die „einfache“ Sprache verwenden, sondern von Menschen, die eine Sprache so „selbstverständlich“ finden, dass sie vergessen, wer ihnen gerade zuhört.

Einfache Wörter sind keine Zumutung für die „native speakers“ im Raum. Auch die sind manchmal abgelenkt, und auch für die sind deine Gedanken vielleicht neu. Letztendlich tut es allen gut, wenn sie ihren Arbeitsspeicher für deine Inhalte verwenden können.

Einfache Wörter sind ein Sprungbrett für deinen Wortschatz.

Du solltest deine einfachen Wörter wirklich hegen und pflegen und ihnen bitte keine Minderwertigkeitskomplexe einreden. Sie sind immer für dich da, und außerdem sind sie der Nährboden, auf dem dein Wortschatz wächst.

Natürlich wirst du immer neue Wörter lernen. Aber nicht, weil „mehr“ Wörter automatisch einfach besser sind. Wenn das wahr wäre, wäre es ja komplett egal, welche neuen Wörter du lernst. Ist es aber nicht. Neue Wörter sind ja kein Selbstzweck. Du brauchst sie, um deine Gedanken nuancierter und präziser auszudrücken. Also brauchst du Wörter, die diesen Sinn für dich erfüllen.

Und dabei bilden deine bekannten Wörter ein Sprungbrett.

Einfach anfangen, nach und nach verfeinern.

Wenn du dein Englisch verbessern willst, solltest du regelmäßig Texte auf Englisch schreiben. Beim Schreiben hast du nämlich mehr Zeit zum Denken, aber vor allem hast du auch die Möglichkeit, das Geschriebene hinterher in Ruhe zu überarbeiten.

Ich empfehle dir, regelmäßig flüssig Gedanken zu einem Thema runterzuschreiben – und zwar mit den Wörtern, die du hast. Dabei wirst du öfter mal nach Wörtern greifen wollen, die du noch gar nicht kennst oder die dir gerade nicht einfallen. Benutze in solchen Momenten die einfachsten Wörter, die dir statt dessen einfallen.

Klassiker sind:

good – bad

large – small

cheap – expensive

interesting – boring (wenn dir das nicht einfällt, nimm halt „not interesting“)

have, make, do, go, say, get, take

person, thing

Du siehst, worauf ich hier hinaus will. Genauso, wie du mit Kreisen, Dreiecken und Rechtecken fast alles rudimentär malen kannst, kannst du mit sehr einfachen Wörtern auch alle Gedanken halbwegs ausdrücken.

Wenn du also während des Schreibens das Wort „behaupten“ gerade nicht parat hast, dann kannst du erstmal „say“ schreiben. So unterbrichst du deinen Schreibfluss nicht und kannst deinen Gedankengang zu Ende bringen.

Damit übst du, „einfach“ weiterzuschreiben – und genau diese Erfahrung stärkt mit der Zeit dein Vertrauen in deine Fähigkeiten, einen zusammenhängenden Text auf Englisch zu schreiben. Dass du den Text hinterher nochmal anfasst, ist ja egal: Das würdest du doch bei einem deutschen Text auch machen.

Wenn du deinen Gedankengang (oder den ganzen Text) beendet hast, kannst du dir den Satz nochmal anschauen und ihn verfeinern. Vielleicht fällt dir jetzt ein präziseres Wort ein. Dein Gehirn ist ja mittlerweile darauf vorbereitet, was du an der Stelle brauchst, und kann die Information vermutlich leichter abrufen, wenn du nicht gleichzeitig mit dem Rest des Satzes beschäftigt bist. Oder du schaust nach. Dabei empfehle ich dir aber nicht direkt den Sprung ins Wörterbuch! Formuliere statt dessen den gleichen Satz nochmal auf Deutsch, oder schreib einen kürzeren Satz, in dem das Wort vorkommt, das du suchst (zum Beispiel: „Er behauptet das, aber es ist nicht wahr.“).

Dann gibst du diesen Satz in DeepL ein und schaust, was DeepL dir als Äquivalent für „behauptet“ anbietet. Dann kannst du noch auf das entsprechende Wort klicken und dir die Alternativen anzeigen lassen. Es ist gut möglich, dass du einen „ach, klar, das kenne ich“-Moment hast, weil DeepL dir sowas wie „claims“ anbietet und du das Wort schon oft genug gesehen hast, um zu wissen, dass es passt.

Wenn du keines der angebotenen Wörter kennst, würde ich dir empfehlen, das erste Wort im einsprachigen Wörterbuch nachzuschauen. Für „claim“ steht im Oxford Learners‘ Dictionary: „to say that something is true although it has not been proved and other people may not believe it.”

Was meinst du? Wäre das eine gute Beschreibung für den Unterschied zwischen “sagen” und “behaupten”? Das passt hier schon, oder? Dieser kurze Test hilft dir übrigens auch, neue Wörter in deinem Gedächtnis zu verankern.

“I already know the word “say”, but I want to describe a situation in which somebody says something, but it is not sure whether it is true because there is no proof. So I can say that they claim something.”

Diese Art von Vernetzung hilft dir, Wörter später abzurufen.

Einfache Wörter helfen dir beim Lesen.

Die Verknüpfung zwischen “einfachen” und neuen Wörtern kannst du auch ausnutzen, wenn du einen Text liest. Nehmen wir mal an, du liest einen Artikel, und dort steht sowas wie: “The authors purport that the most successful companies are the ones which consistently foster innovation and creativity.” Du kennst das Wort “purport” aber nicht. Ja, du kannst es nachschauen, aber wenn du es eilig hast, kannst du zumindest kurz überlegen, welches “einfache” Wort da stehen könnte. Have, go, do, get, take, say? Es wird wohl sowas in Richtung “say” sein. Das hilft dir auch hier wieder, schnell weiterzulesen.

Wenn du dann später “purport” nachschaust, kannst du auch hier wieder fragen: How is “purport” different from “say”?

Mit dieser Frage vermeidest du übrigens den Umweg über eine Übersetzung ins Deutsche. Du bleibst direkt im Englischen. Wenn du jetzt “purport” im einsprachigen Wörterbuch nachschaust, bekommst du die Antwort “to claim to be something or to have done something, when this may not be true” (Oxford Learners’ Dictionary).

Die Vorteile von einfachen Wörtern

  • Einfache Wörter machen dich handlungsfähig. Du musst dich nicht ständig beim Sprechen, Schreiben oder sogar Lesen unterbrechen und kannst dich auf deine Gedanken (oder die größeren Zusammenhänge in einem Text) konzentrieren. Das schafft Vertrauen in deine Fähigkeit, zu kommunizieren.
  • Einfache Wörter sind publikumsfreundlich. Komplexe Gedanken in einfachen Worten auszudrücken ist ein echter Dienst am Publikum. Auch müde, abgelenkte oder sprachlich unsichere Menschen können dir so nämlich folgen.
  • Einfache Wörter sind der Nährboden für deinen Wortschatz. Nach und nach findest du präzisere Begriffe und nuancierte Ausdrucksweisen – aber alles, was du neu lernst, hängt in irgendeiner Weise mit deinem bestehenden Wortschatz zusammen. Neue Wörter gegen bekannte abgrenzen zu können hilft dir, nach und nach dein Gefühl für die Sprache zu entwickeln.

Eine Warnung zum Schluss: Beeindruckend sind immer nur die anderen.

Deine Vorstellung davon, was „einfache“ Wörter sind, ändert sich im Laufe der Zeit. Je mehr Wörter du lernst, desto mehr Wörter werden nach und nach „einfach“. Der Trick ist dann, nicht in die „ich kenne das Wort, also ist es einfach“-Falle zu tappen. Es gibt Menschen, die finden ihren Wortschatz einfach immer unbeeindruckend, egal, wie groß er wird. Frei nach dem Motto: „Wenn ich es kann, kann es ja nicht beeindruckend sein. Beeindruckend sind immer nur die anderen.“ Also: Hege und pflege deinen Wortschatz und genieße, was da wächst und gedeiht.

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