Juni 30

Englische Vokabeln lernen: 

Gerne, aber wie?

Was ist deine größte Herausforderung beim Englischlernen?

Wenn ich meine Schüler frage, bekomme ich fast immer die gleiche Antwort: Vokabeln.

Kennst du das?

  • Im Gespräch fallen dir Wörter nicht ein, die du eigentlich kennst?
  • Du benutzt immer wieder die gleichen Wörter (nice, boring, interesting) – und merkst es auch?
  • Du hast das Gefühl, gar nicht richtig als Person gesehen zu werden, weil du nicht sagen kannst, was in deinem Kopf ist?

Keine Sorge:

Du bist in guter Gesellschaft. So geht es allen Sprachenlernern, und ganz besonders denen, die schon einen Grundwortschatz haben und dann irgendwie nicht weiter kommen. 

Was kannst du also tun, um mehr Vokabeln zu lernen?

Hast du...

  • Notizbücher voller Vokabellisten, die du nie ansiehst?
  • eine Englisch-App, die du nur selten benutzt?
  • einen englischen Vokabel-Kalender, den du ignorierst?
  • englische Bücher, in denen du zwar viele Wörter unterstrichen, aber wenige gelernt hast?

Wenn du schon länger Sprachen lernst, weißt du, dass es nicht an Strategien zum Wiederholen mangelt. Im Gegenteil, die Zahl der Wortkarten-Systeme, Online-Trainer, Spielebücher und Anleitungen ist überwältigend. 

Verbringst du mehr Zeit damit, neue Systeme auszuprobieren, als Englisch zu lernen?

Dann hast du sicherlich die gleichen Fragen wie meine Schüler:

  • Welche Wörter soll ich eigentlich lernen?
  • Wie verwende ich neue Wörter richtig?
  • Wie lerne ich Vokabeln?
  • Wie behalte ich sie dauerhaft?

Das ist die Frage nach dem aktiven Wortschatz: Du willst Wörter nicht nur verstehen, sondern auch benutzen.

Die schlechte Nachricht: Es gibt keine magische Formel. Unterschiedliche Methoden funktionieren für unterschiedliche Menschen.

Noch eine: Ohne Arbeit gehts nicht. Mit Sprache ist das wie in Beziehungen – man muss Zeit, Aufmerksamkeit und Energie investieren.

Die gute Nachricht: Der Aufwand lohnt sich. Und: Es gibt Techniken, die uns den Einstieg erleichtern. Egal, welches System du dann später zum Wiederholen und Vertiefen benutzt.

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Welche Vokabeln soll ich lernen?

Wenn du mich kennst, weißt du, dass ich jetzt sage: Es kommt darauf an, was du gerade erreichen willst. 

Suchst du Synonyme für Wörter, die du ständig benutzt?

Nice. Interesting. Good. Funny. Difficult. Das sind tolle Wörter, und du sollst sie auch benutzen. Das machen Muttersprachler ja schließlich auch. 

Wenn du schon etwas länger Englisch lernst, willst du aber vermutlich gerne präziser werden. Dabei kann ein gutes Wörterbuch helfen, das dir Synonyme mit entsprechenden Beispielsätzen bietet. Die meisten Online-Wörterbücher haben mittlerweile eine Funktion dafür.

Hier sind einige Sätze aus dem Unterricht der letzten Woche.

Synonyme für great, hot, easy und big - glorious, scorching, effortless und enormous

Gibt es Wörter, über die du immer wieder stolperst?

Schreib sie auf. Sie verdienen ein bisschen Aufmerksamkeit.

Welche Wörter sind für dich gerade wichtig?

  • Worum geht es im Studium? Schreibst du eine wissenschaftliche Arbeit?
  • Worüber sprichst du beruflich? 
  • Was interessiert dich privat?
  • Welche Themen werden in den Nachrichten diskutiert? 

Natürlich haben alle meine Schüler in den letzten Monaten viele Vokabeln zum Thema “Arbeiten von zu Hause” gelernt.

Suche dir also zuerst ein Thema. 

Darüber liest du Texte, hörst Podcasts und schaust Videos. Dabei achtest du darauf, welche Ausdrücke Muttersprachler immer wieder im Zusammenhang mit dem Thema verwenden. Je mehr du hörst und liest, desto einfacher wird das. 

Lass dich nicht von allen neuen Ausdrücken ablenken. Es ist sinnvoller, auf Formulierungen und Wörter zu achten, die immer wieder vorkommen. 

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Wie verwende ich neue Wörter richtig?

Achte auf Kollokationen, also Gruppen von Wörtern, die zusammen verwendet werden. Gute Wörterbücher geben dir immer Beispielsätze dafür, oder du suchst gleich nach einem “collocation dictionary”.

Kollokationen sind wichtig, weil Wörter nicht isoliert existieren. Sie werden tendenziell in bestimmten Situationen verwendet, und in Verbindung mit bestimmten anderen Wörtern.

So kannst du beispielsweise sagen, dass das Wetter “glorious” war. Dein Gespräch mit dem Chef war aber vermutlich nicht “glorious”, sondern eher “excellent”, oder “productive”. 

Wenn du dir ein bestimmtes Thema ausgesucht hast, achte darauf, welche Kollokationen besonders häufig auftreten.

Wenn du beispielsweise merkst, dass du im Moment viel häufiger Schlange stehen musst als sonst, dann fallen dir vielleicht Kollokationen dazu auf:

Ausdrücke für Schlange stehen wie zum Beispiel Jumping the queue

Deine Notizen sollten sehr selten einzelne Wörter enthalten, sondern “multiword units” (MWUs), also Ausdrücke, die zusammengehören. 

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Wie viele Vokabeln soll ich lernen?

Weniger als du denkst. Viel weniger als du denkst. Wenn du einen neuen Text bearbeitest, nimm dir etwa 10-15 neue Ausdrücke vor. Wenn du länger an einem Thema bleibst, wirst du andere wichtige Ausdrücke sowieso nochmal sehen – du musst also nicht sofort alles angehen.

Wenn du dann mit dem Lernen loslegst, fang mit zwei bis drei Ausdrücken pro Tag an. Soooo wenig? Ja. Du siehst gleich, warum.

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Wie lerne ich Vokabeln?

Bleiben wir mal beim Vergleich mit der Beziehungsarbeit: Neue Freunde lernst du kennen, indem du mit ihnen sprichst. Live, per E-Mail, über Social Media. Am Telefon. In Briefen. 

Und genauso funktioniert es mit neuen Vokabeln. Anwenden, anwenden, anwenden. 

Schreib Sätze, in denen du neue Ausdrücke benutzt. Beziehe sie auf dein Leben. Wenn du dir dabei unsicher wirst, schau dir die Beispielsätze im Wörterbuch an. Wandle sie ab. 

Schreib ein Tagebuch, mach dir Mindmaps, schreib Interviewfragen zu deinem Thema.

Nimm dich auf: Sprich deine Beispielsätze oder deine Antworten auf Interviewfragen.

Sprich mit Lernpartnern.

Mach was Kreatives.

Und bitte, bitte, wirklich nicht zu viele auf einmal. Das geht schief. Denk an dein volles Vokabelheft. Das ist auch nützlich. Aber eher zum Wiederholen, wenn du die Wörter schon besser kennst. 

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Wie behalte ich Vokabeln?

Indem du mit Ihnen in Kontakt bleibst. Je öfter du Ausdrücke liest, hörst und benutzt, desto einfacher wirst du sie dir dauerhaft merken.

Eine kleine Warnung: Hör nicht damit auf, auch die “einfachen” Ausdrücke weiter zu verwenden. Die Mischung machts. 

Tipp:

Fang wirklich mit der Anwendung an. Mach dir Notizen, schreib Sätze, sprich neue Ausdrücke in ganzen Sätzen aus. Dann verknüpft dein Gehirn den neuen Ausdruck mit dem, was du schon weißt. Außerdem fällt dir dabei vielleicht auf, dass du dir doch nicht so sicher bist, wie das Wort verwendet wird (Vergangenheitsform? Präpositionen?), und du schaust nochmal nach.

Danach kannst du gerne mit Karten, Online-Trainern oder einem beliebigen anderen System weitermachen. Wenn du etwas Neues probierst, bleib ein paar Wochen dran. Sonst verbringst du mehr Zeit damit, ein neues System zu lernen, als mit der Sprache. 

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Woher weiß ich, dass ich ein Wort gelernt habe?

Irgendwann kommt dieser Moment: Du benutzt einen Ausdruck, ohne nachzudenken, ohne zu planen. Das solltest du ein bisschen feiern.

Du musst ja nicht gleich laut jubeln. Aber warum solltest du es nicht jemandem erzählen? In deinem Lerntagebuch eintragen? 

Du hast einen kniffligen Ausdruck zum ersten Mal ganz “effortlessly” verwendet? Schreib mir doch auf Facebook, ich freu mich gerne mit!

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