9 Übungen für dein Englisch Warm-Up

aktualisiert am 20. Februar 2026

Veröffentlicht am 19. Februar 2026

“Mein Englisch fühlt sich rostig an.”

Am Anfang von Englisch-Sessions sagen Menschen mir oft, dass sich ihr Englisch “eingerostet” anfühlt. Oder fremd. Clumsy, uncomfortable, creaky, unfamiliar. Als würde man ein Instrument aus dem Schrank holen, das lange nicht geputzt oder gestimmt wurde.

Nach einigen Minuten läuft es meistens schon besser. Was übrigens nicht überraschend ist.

Ich mache Menschen auf sowas gerne aufmerksam. Denn: Wer merkt, dass das eigene Englisch erstmal unbeholfen wirkt, denkt gerne, dass das “ein Englisch-Problem” ist. Ist es aber erstmal gar nicht. Es ist ein “Aufwärm-Problem”. Wenn du mit kalten Muskeln aus dem Haus rennst, musst du dich ja auch nicht darüber wundern, dass dir erstmal alles weh tut.

Und genau so gehen viele Menschen in Englisch-Situationen: Unaufgewärmt.

Warum brauchst du ein Englisch-Warm-Up?

Achte mal darauf, ob dir solche Übergangs-Themen bekannt vorkommen:

  • Du hetzt den ganzen Tag von einem Meeting zum nächsten und hast gar keine Zeit, dich gedanklich auf jedes neue Thema vorzubereiten.
  • Du sprichst den ganzen Tag mit einer Personengruppe und bleibst gedanklich und sprachlich erstmal da hängen. Du sprichst den ganzen Tag mit Kindern, weil du in der Kita oder in einer Schule arbeitest? Oder sprichst du mit Marketing-Leuten? Hängst du öfter nach einem Tag voller Verhandlungen im “corporate bullshit bingo” fest? Oder im “Bühnen-Modus”, weil du gerade noch eine Präsentation gegeben hast? Dann kennst du das Problem mit den Übergängen sicher sehr gut.
  • Wenn du in eine andere Situation wechselst, brauchst du einen Moment, um diesen Übergang zu navigieren und dich gedanklich und sprachlich auf die neue Situation einzustellen.

Dieser Übergang wird natürlich erschwert, wenn du zusätzlich noch in eine andere Sprache wechselst. Wer also ins Englisch-Coaching kommt, den ganzen Tag aber noch kein Englisch gesprochen hat, braucht einen Moment, um auch sprachlich “anzukommen”.

Dein Englisch ist wie deine Stimme – es braucht ein “Warm-Up”.

Der Übergang in eine Englisch-Situation kann sich ruckelig und unangenehm anfühlen. Du kannst es dir aber leichter machen, indem du dich “aufwärmst”.

Du möchtest nicht, dass du deinen ersten englischen Satz des Tages vor einem wichtigen Publikum sagst.

Wie wärmst du also dein Englisch auf?

Ich empfehle ganz unterschiedliche Übungen für dein “Englisch-Warm-Up”. Einige Übungen wärmen vor allem dein eigentliches “Instrument” auf, also deine Stimme und deinen Körper. Wie wichtig das ist, durfte ich letztes Jahr wieder in einer Fortbildung an der Sprecher-Akademie erleben. Denn: Wenn dein Nacken steif und deine Stimme heiser ist, wirst du dich auch mit deinem Englisch nicht selbstbewusst fühlen.

Es gibt aber natürlich auch Übungen, mit denen du dich konkret auf Englischsprechen vorbereiten kannst. Und manche Übungen verbinden die unterschiedlichen Bereiche.

Entspannter in Englisch-Situationen: Schütteln.

Ja, das ist eine reine Körperübung, und ich biete sie immer dann sehr gerne an, wenn ich das Gefühl habe, dass mein Gegenüber quasi schon in der Schreibtisch-Starre angekommen ist, den Stress eines Arbeitstages im Nacken sitzen hat, oder schon beim Gedanken ans Englischsprechen zittrig wird.

Der Hund im Bus: Tiere schütteln sich ständig, lockern damit ihren Körper und schütteln Stress ab – warum machen wir das nicht auch öfter? Für diese Übung habe ich das Bild eines kleinen Hundes im Kopf, den ich einmal im Bus beobachtet habe: Ein kleines, drahtiges Fellknäuel, das eigentlich wie ein explodiertes Kissen aussieht und sich einmal genüsslich von der Nase bis zur Schwanzspitze durchschüttelt. Das mache ich gerne nach und stifte auch Menschen in meinen Gruppen dazu an. Das entspannt, wärmt die Muskeln durch – und nimmt der Situation ein bisschen Ernst und Schwere.

Stimme aufwärmen: Summen.

Summen ist eine tolle Aufwärmübung, die du fast überall machen kannst. Summen ist wie eine sanfte Massage für deine Stimmbänder und verleiht deiner Stimme mehr Resonanz: Im Grunde macht es deine Stimme also kraftvoller, ohne dass du dabei viel Kraft aufwenden musst. Kein Wunder also, dass Summen auch zu den Aufwärmübungen für professionelles Sprechen und Singen gehört. Hier sind einige einfache Alltags-Summ-Übungen, die vom NHS Cambridge Universities Hospitals Trust zusammengestellt wurden.

Summen wird außerdem mit einer positiven Wirkung auf das Nervensystem verbunden, so wie andere Atemübungen auch ausgleichend wirken können. Wenn du Yoga machst, kennst du vielleicht schon die „Bee Breath“-Technik, bei der du langsam auf einem sanften Summen ausatmest. Ich mag diese Einführung von Adriene Mishler. Du kannst auch sanft eine Melodie wie diese mitsummen und schauen, wie sich das anfühlt.

Stimme wecken, Stimmung aufhellen: Singen

Wenn du singst, gewöhnst du dich daran, englische Wörter zu formen und deine eigene Stimme auf Englisch zu hören. Das ist besonders gut als Aufwärm-Übung, wenn du schon länger kein Englisch gesprochen hast. Letzendlich brauchst du ja viel “muscle memory”, um eine andere Sprache zu sprechen. Deine Stimmwerkzeuge brauchen Übung, um sich an die neuen Laute zu gewöhnen – und Singen hilft dir dabei, ohne dass es sich nach Arbeit anfühlt. Als Aufwärm-Übung eignet sich Singen also, weil du deine Muskeln “aufweckst”: „So fühlt sich diese Sprache an.“ Ein zusätzlicher Vorteil: Ein gutes Lied kann deine Stimmung heben.

Fokus auf dein Englisch: Zungenbrecher

Bevor du in eine Englisch-Situation gehst, kann es gut sein, dass deine Gedanken sich in Sorgenkreisen drehen. „Tongue Twisters“ – Zungenbrecher – unterbrechen solche Gedankenschleifen sehr effektiv, weil du dich auf die Wörter konzentrieren musst. Außerdem sind Zungenbrecher eine ausgezeichnete Artikulationsübung. Auf der British Council Webseite findest du Zungenbrecher inklusive Audiodateien zum Mit- und Nachsprechen.

Wenn du einen Schritt weiter gehen möchtest: Lege einen Finger ganz sanft zwischen deine Zähne und versuche, den Zungenbrecher zu sagen – natürlich ohne dich zu beißen! Diese Übung habe ich im Sprechtraining gelernt, und ich bin immer noch erstaunt, wie viel artikulierter meine Stimme nach dieser Übung klingt. (Ja, vielleicht kennst du die Variante mit einem Korken – aber wie meine Sprechtrainerin Aleksandra Simic immer sagte: Der Korken merkt nicht, wenn du zu fest beißt. Dein Finger schon.)

Nicht denken: Sprechen. Laut lesen als Aufwärmübung

Laut vorlesen kann eine gute Aufwärmübung sein, weil du dich auf den Klang der Sprache konzentrieren kannst und dabei nicht über den Inhalt nachdenken musst. Außerdem kannst du dich auch inhaltlich auf deine Englisch-Situation einstimmen, wenn du dir vorher einen entsprechenden Text vorliest (diesen Tipp teilt Iris Barzen in unserem Podcast-Interview).

Eine Warnung dazu: Bitte mach das ausschließlich mit Texten, die du schon gut kennst. „Blindlesen“, also das laute Lesen unbekannter Texte, eignet sich nicht fürs Aufwärmen. “Blindlesen” ist nämlich eigentlich ein Diagnose-Tool: Kenne ich diese Wörter? Kann ich sie aussprechen? Lese ich schnell genug, um „vorauszuplanen“ und zu wissen, wann ich atmen muss? Das ist zwar nützlich, aber nicht als Aufwärmübung. Über die Vorteile und möglichen Nachteile des lauten Lesens habe ich schon einen Artikel geschrieben.

Dehnungsübungen für flexibles Sprechen: “Cheat’s Taboo”

Dieses Spiel trainiert deine Fähigkeit, Wörter mit den Vokabeln zu beschreiben, die du kennst. Bei “Tabu” hast du normalerweise ein Wort vor dir, das du umschreiben sollst. Dabei gibt es eine Liste mit Wörtern, die du in deiner Umschreibung nicht verwenden darfst. Bei der Schummelvariante „Cheat’s Taboo“ verwendest du dagegen einfach alle Wörter, Strategien und Tricks, die dir einfallen, um dein Zielwort zu beschreiben.

Ich nutze diese Variante von “Tabu”, um “Wortfindungsstrategien” zu trainieren. Dieses Spiel ist aber auch eine tolle Aufwärmübung: So, wie du deine Muskeln vorm Sport dehnst, übst du hier Flexibilität und Beweglichkeit bei der Wortwahl.

Du kannst das mit einem echten Tabu-Spiel üben (die deutsche Version, damit du gezwungen bist, die Wörter mit Englisch zu beschreiben, das du bereits kennst). Wenn du das Spiel nicht hast: Verwende einfach andere Wörter, zum Beispiel Gegenstände in deiner Umgebung.

Du kannst für diese Übung auch Wörter nehmen, die etwas mit dem Thema zu tun haben, das du in deiner Englisch-Situation brauchst.

Einfach und wirksam: Selbstgespräche

Diese Übung verbindet alle Bereiche, die du für dein Warm-Up brauchst. Du wärmst deine Stimme auf, du gewöhnst dich an den Klang deiner Stimme auf Englisch, “sprichst dich ein”, aktivierst deinen Wortschatz und kommst wieder in den Rhythmus von englischen Sätzen.

  • Sprich über alles, was dir in den Sinn kommt. Mit dieser Variation aktivierst du deine Wortfindungsstrategien und kommst wieder in einen natürlichen Redefluss.
  • Sprich über die Situation. Natürlich kannst du auch mit dir selbst sprechen, um dich sprachlich und gedanklich auf die Situation einzustimmen, in der du heute Englisch brauchst: What I will talk about today …
  • Werde konkret: Du kannst sogar deine Begrüßung oder den ersten Satz üben, den du vor einem Publikum sagen wirst. Ein starker Einstieg kann dir helfen, im weiteren Verlauf des Gesprächs entspannter und selbstbewusster zu bleiben.

Übrigens: Wenn du Selbstgespräche ausprobieren möchtest, aber nicht weißt, worüber du sprechen sollst – genau dafür gibt es „Ready but Stuck“. Jede Woche bekommst du einen kurzen englischen Podcast und Reflexionsfragen, die dich ins Sprechen bringen.

Wenn sonst keine Zeit zum Aufwärmen war: Smalltalk.

Ja, das ist ein kleiner Joker, den ich noch mit reinwerfe. Wenn du gar keine Zeit hast, dich vorzubereiten, kann Smalltalk Wunder wirken. Kurze, vorhersehbare Interaktionen verlangen dir und deinem Englisch nicht viel ab. Ihr könnt auch aus dem Stand übers Wetter sprechen. Das solltest du nutzen. Anstatt zu Beginn eines Meetings noch schnell Emails zu checken, sprich mit den anderen Menschen im Raum. Wenn du Kaffee holst, sprich mit den Menschen, die neben dir am Automaten stehen. Hallo, du auch hier, ja das Wetter heute, kalt, aber es ist ja Februar. Das ist freundlich. Und gut für dein Englisch-Warm-Up.

Alles hängt mit allem zusammen: Full-Body-English-Warm-Up

Wie jedes Instrument braucht dein Englisch ein bisschen Pflege und Zeit zum Aufwärmen. Aufwärm-Übungen helfen dir außerdem, dein Englisch nicht isoliert zu betrachten, sondern die Verbindung von Körper, Stimme, Sprache und Fokus mit zu bedenken.

Probier aus, welche Übungen dir gut tun – und in welchen Situationen du welche Übung nützlich findest. Und natürlich kannst du auch alle anderen Übungen nutzen, mit denen du dich sonst auf Sprechen vorbereitest, egal in welcher Sprache.

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