Englisch in Gruppen: ja, nein, vielleicht?

aktualisiert am 5. Oktober 2025

Veröffentlicht am 18. August 2025

„Ach, Sania, wenn ich mit dir spreche, dann geht das. Aber mit anderen Menschen funktioniert das irgendwie nicht."

Wenn Menschen mit mir im 1:1 Coaching arbeiten wollen, hat das mehrere Gründe: Volle Terminpläne, thematisch sehr spezifische Anforderungen - und der Wunsch, sich in einem komplett sicheren Rahmen mit der eigenen Englisch-Beziehung auseinanderzusetzen.

Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem Menschen merken: Wenn ich mich wirklich mit meinem Englisch zeigen will, dann sollte ich mich auch in Gruppen zeigen.

Nur wie entscheidest du, ob eine Gruppe das Richtige ist?

Und viel wichtiger noch: Welche Gruppe?

Deshalb geht es heute um die Vorteile und Nachteile von Englisch in Gruppen - und vor allem darum, worauf du achten kannst, wenn du überlegst, in eine Gruppe einzusteigen.

Dieser Blogpost gehört zur Podcast-Folge: "How I met my English - der Englisch-Beziehungs-Podcast: Folge 24 - Englisch in der Gruppe: Ja, nein, vielleicht?".

Lieber gleich hören? Das geht hier.

Die Herausforderungen: Warum sich Gruppen schwierig anfühlen

Alte Wunden und schlechte Erfahrungen

Achte mal auf deine eigene Reaktion, wenn du daran denkst, in einer Gruppe Englisch zu sprechen. Vielleicht merkst du es schon daran, was dein Herzschlag, deine Atmung oder dein Gedankenkarussel veranstalten: Englisch sprechen in Gruppen bringt Herausforderungen mit sich.

Viele Menschen haben irgendwann Erfahrungen mit Gruppensituationen gemacht, in denen es ihnen und ihrem Englisch nicht gut ging. Ein peinlicher Fehler in der Klasse, ein dummer Kommentar von Lehrern, anderen Kindern, Kollegen oder Familienmitgliedern - manchmal muss gar nicht viel passiert sein, damit Menschen sich hilflos oder bloßgestellt fühlen.

Das können auch Ereignisse sein, bei denen es gar nicht um dein Englisch ging. Auch ein Kommentar über den Akzent oder die Grammatik anderer Leute in deiner Umgebung können bei dir das Gefühl auslösen: „Vor anderen Menschen ist mein Englisch nicht sicher."

Eingefahrene Gewohnheiten

Übrigens müssen das auch gar keine fiesen Kommentare sein. Es ist auch möglich, dass bestimmte Verhaltensweisen in deinem Umfeld dafür sorgen, dass du nicht Englisch sprichst.

Deine Kinder sprechen selbstbewusst Englisch und freuen sich, im Urlaub die Kontrolle zu übernehmen.

Deine Freunde wissen, wie unsicher du im Englischen bist und setzen dich beim Geburtstagsessen nicht neben die "international speakers".

Dein Partner merkt, wie nervös du vor der Autovermietung stehst und sagt: "Lass mal Schatz, ich mach das schon."

Deine Kollegin bietet dir an, das Telefonat anzunehmen, wenn englischsprachige Kunden anrufen.

Es kann gut sein, dass sich deine Umgebung daran gewöhnt hat, so zu handeln, weil ihr euch alle daran gewöhnt habt, dass du "nicht so gerne Englisch sprichst".

Schwere Erfahrungen, aber auch Gewohnheiten, sind nicht immer so leicht zu fassen. Und deshalb kann es sein, dass Englisch in Gruppen für dich mit Unsicherheit verbunden bleibt.

Der Blick in die Kristallkugel: Was andere denken

Hinter der Unsicherheit steht meistens die Sorge, dass du dich bloßgestellt oder abgewertet fühlst.

Wenn Menschen mit ihrem Englisch in Gruppen unterwegs sind, haben sie gedanklich eine Kristallkugel in der Hand: „Ich weiß ja, dass ich hier bewertet werde."

Das kann wahr sein, muss es aber nicht. Was wichtig ist: Das Gefühl, bewertet zu werden ist real und hindert viele Menschen daran, sich mit ihrem Englisch in eine Gruppe zu wagen.

Und wer in einer Gruppe spricht, ist dann oft viel mehr mit den anderen Menschen beschäftigt als mit sich selbst. Du bist auf der Hut, passt ganz besonders auf die Reaktionen der anderen auf, und vergleichst dein Englisch immer wieder mit dem Englisch der anderen Leute im Raum.

Das ist natürlich eine Herausforderung, weil du in diesen Momenten selbst gar nicht so wahrnimmst, wie dein eigenes Englisch eigentlich gerade unterwegs ist. Du bemerkst deine eigenen Fortschritte nicht und kannst häufig auch gar nicht besonders realistisch einschätzen, wie erfolgreich ihr gerade wirklich seid. Deine Aufmerksamkeit ist einfach zu sehr mit der Gruppe beschäftigt.

Das Ganze ist natürlich unheimlich anstrengend, weil du auf dich, dein Englisch und alle anderen im Raum "aufpassen" musst.

Die Chancen: Was nur in Gruppen möglich ist

Die Kristallkugel auf den Prüfstand stellen

Natürlich hat Englisch in Gruppen auch ganz klare Vorteile. Wenn du nämlich in der Gruppe wirklich auf die Gruppe achtest - und nicht so sehr auf die Kristallkugel in deiner Hand - kannst du Gegenbeweise sammeln.

Wenn du nämlich wirklich mit anderen Menschen sprichst, ist es wesentlich wahrscheinlicher, dass du merkst: „Ach. Die achten viel weniger auf mich, als ich dachte. Die haben ihre eigenen Themen, Probleme, Fragen und Unsicherheiten. "

Echtes Feedback kannst du dir nicht alleine zurechtdenken. Aus dem Problem „Was könnten die anderen über mich denken?" kommst du alleine nicht raus. Das funktioniert nur im Austausch mit anderen.

Vertrauen in dich und die Gruppe

Im Idealfall passiert in Gruppen nämlich etwas sehr Schönes: Du bekommst auf der einen Seite Vertrauen in dich selbst und auf der anderen Seite auch Vertrauen in die Gruppe.

Dieses Vertrauen entsteht durch die eigentlich ganz einfache Erfahrung: „Die verstehen mich."

Du sagst etwas und die Menschen verstehen, was du sagen möchtest - vielleicht mit Nachfragen, aber sie verstehen es. Sie stellen sinnvolle Fragen, ihr tauscht euch aus, und so entsteht ein echter Austausch.

Das ist eine wichtige und oft sehr überraschende Erfahrung für Menschen, die sich lange nicht mit ihrem Englisch "unter Leute" getraut haben: Wow, das funktioniert tatsächlich. Die verstehen mich und reagieren auf das, was ich sage. Und das sind ganz normale Menschen mit einem ganz normalen Hörverständnis. Menschen, deren Job es nicht ist, dir besonders wohlwollend zuzuhören.

Du merkst erst, wie wirksam dein Englisch eigentlich ist, wenn du dich mit anderen Menschen austauschst.

Echte Beziehungen entstehen lassen

Erfahrungen in wohlwollenden Gruppen schaffen nach und nach Vertrauen:

Wenn ich nicht verstanden werde, können Menschen fragen.

Wenn ich einen Fehler mache, passiert nichts.

Niemand macht sich über mich lustig.

Ich sitze hier mit Menschen, die sich wirklich für mich interessieren, und für das, was ich zu sagen habe.

Deine Welt wird dann um Menschen erweitert, mit denen du dich - vielleicht sogar ausschließlich - auf Englisch unterhalten kannst. Und darum ging es ja letztendlich.

Niemand lernt Englisch, um perfektes Englisch zu können. Menschen lernen Englisch, um sich mit anderen Menschen austauschen zu können und um Beziehungen mit Menschen aufbauen zu können, zu denen sie sonst gar keinen Kontakt hätten.

Auch das erlebst du eher in einer Gruppe: Kommunikation ist Teamwork.

Worauf du achten solltest: Dein Englisch-Immunsystem

Das richtige Maß finden

Wenn du darüber nachdenkst, dir eine Englisch-Gruppe zu suchen, hilft dir das Bild vom Englisch-Immunsystem vielleicht. Wir können schließlich nicht nur unsere körperliche Widerstandsfähigkeit trainieren, sondern auch unsere psychische Resilienz.

Dafür ist es wichtig, dass du deine eigene Komfortzone kennst:

Wenn du nie in eine Gruppe gehst, dann bleibst du ganz sicher weit innerhalb deiner Komfortzone, trainierst aber dein Englisch-Immunsystem nicht.

Wenn du dich aus dem Stand schwierigen, fiesen, gemeinen Menschen aussetzt, dann trainierst du dein Englisch-Immunsystem auch nicht - denn du versetzt dich so sehr in Angst und Schrecken, dass du dich garantiert nie wieder aus deiner Komfortzone herauswagst.

Das Konzept mit der Komfortzone ist nützlich, wenn du entscheidest, was eine passende Gruppensituation für dich sein könnte.

Personen, Situationen, Themen

Wenn du deine Komfortzone austestest, sind die folgenden Kategorien nützlich:

Welche Personen sind um mich herum?

Wie ist die Situation?

Um welche Themen geht es?

Die Antworten auf diese Fragen sind individuell. Ich gebe dir keine "richtige" Antwort, sondern biete dir die Kategorien als Entscheidungshilfe für dich selbst.

Personen: Native Speakers oder nicht?

Nehmen wir mal das Beispiel Personen. Für manche Menschen fühlt es sich einfacher an, erstmal mit anderen Non-Native-Speakers zu sprechen, denn: „Die kennen das Gefühl, eine Fremdsprache zu sprechen. Das mit Englisch ist hier ein Gemeinschaftsprojekt."

Für andere Menschen ist es genau andersrum. Vielleicht sind andere Non-Native-Speakers für dich ganz besonders "gefährlich" oder "bedrohlich". Vielleicht hast du schlechte Erfahrungen in non-native Gruppen gemacht, oder du merkst, dass du dich dann mit Vergleichen quälst.

Wenn es dir so geht, findest du "native speakers" möglicherweise eher entspannt: Die merken gar nicht, dass du Fehler machst, weil sie es gar nicht erwarten.

Finde eine Gruppe, die dein Englisch-Immunsystem ein kleines bisschen herausfordert, dich aber nicht "krank" macht.

Bekannte oder Fremde?

Es gibt also an sich keine "richtige" oder "falsche" Gruppe.

Das gilt auch für die Entscheidung: fremde Menschen oder Menschen, die ich gut kenne? Für manche Menschen sind Freunde oder Kollegen genau die richtigen Leute, weil man sich schon vertraut und weil man sich gegenseitig schätzt.

Für andere Menschen sind Gruppen mit Fremden angenehmer. Fremde kennen dich nicht. Sie kennen dich vor allem auch noch nicht als Person, die unsicher im Bezug auf ihr Englisch ist. Die nehmen dich so, wie du eben gerade bist.

Situationen und Themen

Diese individuellen Unterschiede gelten auch in Bezug auf Situationen und Themen.

Für manche Menschen ist ungezwungener, unstrukturierter Small Talk perfekt, weil sie den schon kennen und auch keinen großen Druck verspüren, besonders spannende Dinge sagen zu müssen. Für andere Menschen ist das wiederum eine Horrorvorstellung. Smalltalk! Was soll ich sagen? Welche kulturellen Regeln gibt es da?

Manche Menschen lieben deshalb strukturierte Situationen mit festgelegten Themen: Buchklubs, Spieletreffs oder andere Gruppen, die ein Hobby teilen. Und für manche Menschen sind fachlich relevante Situationen besonders "sicher", weil sie diese Situationen besonders gut kennen und sich als Experten fühlen.

Was ist "machbar"? In welchen Situationen wäre es auch möglich, vor anderen Menschen Englisch zu sprechen?

Deine persönliche Englisch-Hygiene

Innere Regeln aufstellen

Egal wie, egal in welche Gruppe du gehst, egal in welchem Kontext du dich zeigst: Ich würde dir ans Herz legen, ein paar innere Regeln für dich selbst aufzustellen.

Du kannst das Verhalten anderer Menschen nur sehr bedingt beeinflussen. Deshalb finde ich es sinnvoll, wenn du eigene Regeln für dich selbst formulierst - wie deine persönliche Englisch-Gruppen-Hygiene.

Vorbereitung und Selbstfürsorge

Wie möchte ich mit mir selbst umgehen? Wie bereite ich mich auf eine Gruppe vor? Mit welchem Ziel bin ich hier?

Lege dir Strategien dafür zurecht, wie du in Gruppensituationen mit dir selbst umgehen möchtest. Was hilft dir dabei, freundlich zu dir selbst zu sein? Was hilft dir dabei, vielleicht bestimmte Reaktionen, die du aus anderen Gruppensituationen kennst, gut auszuhalten und zu verarbeiten?

Was kannst du tun, damit du ruhig und entspannt bist? Was unterstützt dich?

Der Umgang mit anderen

Jetzt kommt noch der Bonus: Gib dir auch Regeln für deinen Umgang mit anderen Menschen. Wie möchtest du den anderen als Publikum entgegentreten? Wie willst du für sie da sein?

Mit diesen inneren Regeln stellst du sicher, dass du präsent bist - und zwar für dich, für dein Englisch und auch für andere Menschen.

Fazit: Stärke dein Englisch-Immunsystem

Du wirst es in einer Gruppe immer mit Unsicherheiten zu tun haben. Alte Gedanken oder Erinnerungen kommen dir ins Gehege. Und es kann ganz schön schwierig sein, gedanklich bei dir selbst zu bleiben und deinem Englisch und dir selbst gut zur Seite zu stehen.

Das stimmt alles.

Aber gleichzeitig kann es eben auch besonders schön sein, mal nicht mit deinem Englisch alleine zu sein. Wenn du das Englisch anderer Menschen erlebst, und auch ihr echtes Interesse an dir als Person, erlebst du etwas, das du nur in Gruppen erfahren kannst: Kommunikation ist immer Teamwork. Und du machst tatsächlich live mit.

Deshalb: Sieh eine Gruppe als Möglichkeit an, dein Englisch-Immunsystem zu stärken. Definiere für dich selbst, welche Personen, Situationen und Themen vielleicht noch nahe an deiner Komfortzone liegen und weite diese Zone nach und nach aus.

Was dabei immer gilt: Sei dir selbst und anderen Menschen ein gutes Publikum. Wenn du dich mit deinem Englisch in der Welt zeigen möchtest, dann solltest du anfangen, auch in Gruppen Englisch zu sprechen - denn nur dann wirst du auch die echten Beziehungen erleben, die du ja wahrscheinlich mit deinem Englisch gerne schaffen möchtest.

Dieser Blogpost gehört zur Podcast-Folge: "How I met my English - der Englisch-Beziehungs-Podcast: Folge 24 - Englisch in der Gruppe: Ja, nein, vielleicht?".

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