Einsprachige Wörterbücher: wieso, weshalb, warum – und welches?

aktualisiert am 12. März 2026

Veröffentlicht am 17. Dezember 2022

Ein einsprachiges Wörterbuch ist ein Wörterbuch, in dem keine Übersetzungen stehen, sondern Definitionen. Der Duden ist also ein einsprachiges Wörterbuch. Und sobald du über die “wirklich noch ganz am Anfang”-Phase hinaus ist, brauchst du auch für dein Englisch einsprachige Wörterbücher.

Das wieso, weshalb, warum dazu erkläre ich heute. Und zum “welches soll ich wählen” komme ich auch. Es gibt nämlich sehr viele einsprachige Wörterbücher, und nicht alle werden zu dir und deinem Englisch passen.

Was dich vielleicht überrascht: Ein einsprachiges Wörterbuch ist eines deiner wichtigsten Werkzeuge, wenn du aus dem Übersetzungs-Modus rauskommen willst. Es hilft dir nämlich, die Frage “wie übersetzt man das” mit dieser hier zu ersetzen:

“Welches Wort benutzen Menschen, die Englisch sprechen, in dieser Situation?”

Wann hilft dir ein einsprachiges Wörterbuch?

Ein einsprachiges Wörterbuch hilft dir immer dann, wenn du schon ein englisches Wort vor dir hast, das dir aber noch nicht zu hundert Prozent vertraut ist.

  • Du siehst oder hörst ein englisches Wort und verstehst es schlicht nicht. Du liest ein englisches Buch, eine Studie, einen Artikel – und da ist ein Wort, das du noch nie gesehen hast.
  • Du glaubst, ein Wort zu kennen – aber du bist dir nicht sicher, ob du es in diesem Zusammenhang wirklich richtig verstehst.
  • Du hast ein englisches Wort benutzt und kommst plötzlich ins Zweifeln. Hast du das gerade richtig angewendet? War das die richtige Bedeutung in diesem Kontext?
  • Du hast zwei Wörter im Kopf, die sich ähnlich anfühlen – aber du weißt nicht genau, was der Unterschied ist. Problem und issue zum Beispiel. Oder concerned und worried. Du hast ein Gefühl für den Unterschied, bist dir aber nicht ganz sicher, wann genau du welches Wort verwenden würdest.

In diesen Situationen brauchst du keine Übersetzung – die würde dir mit deinen Fragen keine echte Sicherheit geben. Du brauchst ein einsprachiges Wörterbuch.

Was findest du in einem einsprachigen Wörterbuch?

Im Wesentlichen sind einsprachige Wörterbücher ähnlich aufgebaut.

Wenn du einen Eintrag öffnest, findest du eine oder mehrere Definitionen für das Wort. Außerdem findest du heraus, mit welcher Wortart du es hier zu tun hast. Das ist zum Beispiel dann wichtig, wenn es ein Wort sowohl als Verb als auch als Nomen gibt (wie issue).

Zusätzlich findest du normalerweise noch die phonetische Aussprache und ein Audio mit der britischen und amerikanischen Aussprache.

In manchen einsprachigen Wörterbüchern gibt es zusätzlich noch Informationen dazu, wie häufig das Wort im Englischen vorkommt (im Collins Dictionary siehst du beispielsweise eine Reihe mit roten Punkten, die dir anzeigen, wie häufig das Wort ist). Oder du bekommst eine Einordnung dazu, welchem Niveau (A2, B1, B2 etc.) nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen das Wort zugeordnet ist. Was letztendlich auch nur etwas darüber aussagt, wie häufig das Wort in der Sprache vorkommt und wie früh du ihm dementsprechend begegnen wirst, wenn du Englisch lernst.

Gute einsprachige Wörterbücher liefern dir außerdem noch Beispielsätze – und das ist einer der Hauptgründe, warum diese Wörterbücher so wunderbar sind. Sie beantworten dir nämlich die Frage: Wie benutzen Menschen dieses Wort im Satz?

Wenn es die Möglichkeit gibt, irgendwo “Extra Examples” anzuklicken, mach das unbedingt. Je mehr Beispiele du siehst, desto mehr findest du über das Wort in seiner natürlichen Umgebung heraus: Welche Adjektive stehen oft neben diesem Wort? Welche Verben? Welche Präpositionen? Das ist Gold, wenn du nicht nur verstehen, sondern auch aktiv schreiben oder sprechen möchtest.

Learner’s Dictionary oder reguläres Wörterbuch – was ist der Unterschied?

Ich empfehle meistens das Oxford Advanced Learner’s Dictionary (OALD). Wie der Name schon sagt, ist das ein einsprachiges Wörterbuch, das für fortgeschrittene Lernende geeignet ist. Im Vergleich dazu ist das OED, das Oxford English Dictionary, einfach ein allgemeines einsprachiges Wörterbuch für alle Menschen, die Englisch nutzen – egal, ob Englisch ihre Muttersprache, ihre Zweitsprache oder eine Fremdsprache ist. Eine ähnliche Verteilung gibt es auch bei anderen Herausgebern.

Warum brauchen wir “Learner’s Dictionaries”?

Ich zeige dir mal den Unterschied zwischen einem Wörterbucheintrag aus dem Collins Dictionary und dem Eintrag zum gleichen Wort im OALD:

Collins Dictionary-Eintrag für das Wort “cause”:
“The cause of an event, usually a bad event, is the thing that makes it happen.”

Im Oxford Advanced Learner’s Dictionary Eintrag zu “cause”:
„the person or thing that makes something happen.“

Um die Definition im Collins Dictionary zu verstehen – das eben nicht primär für Lernende geschrieben wurde – musst du das Wort event kennen. Im OALD wird das gleiche Wort etwas zugänglicher formuliert, so dass du das Wörterbuch eben auch schon dann benutzen kannst, wenn dein Englisch noch nicht auf C1-Niveau ist.

Für den Einstieg in einsprachige Wörterbücher empfehle ich deshalb immer ein Learner’s Dictionary.

Welche einsprachigen Wörterbücher benutze ich?

Oxford English Learner’s Dictionary

Das OALD ist eines der wichtigsten Tools in meinem Werkzeugkoffer. Es bietet besonders viele Beispielsätze, und du kannst dir gleichzeitig auch typische Strukturen und Kollokationen zu den Wörtern anzeigen lassen – also Wörter, die häufig in Verbindung mit deinem Zielwort auftauchen.

Kollokationen mit “cause”:
adjective: real, root, true (cause)
verb + cause: determine, discover, find (the cause)
phrases: cause and effect, the cause of death, due to natural causes

Wenn du dir Zeit für so einen Wörterbucheintrag nimmst, lernst du also nicht nur ein isoliertes Wort besser kennen. Du triffst gleich auch noch passende “Teamplayer” für dieses Wort.

Was mir auch gut gefällt: Du siehst am oberen Rand des Eintrags gleich auch, welche ähnlichen Wörter es zu deinem Wort gibt.

Ähnliche Einträge:
cause (verb); ‘cause (conjunction); lost cause

Das ist ein bisschen wie “im Wörterbuch blättern”. Außerdem hilft es dir, wenn du aus Versehen die falsche Wortart erwischt hast (“ach so, das ist ja auch ein Verb”).

Es gibt natürlich auch noch andere einsprachige Wörterbücher wie das Cambridge Learner’s Dictionary und das Longman Dictionary of Contemporary English. Schau dich einfach um und finde heraus, welches dir am ehesten liegt.

Collins Dictionary

Das Collins Dictionary ist ein einsprachiges Wörterbuch für Muttersprachler, also ein bisschen wie der Duden. Für fortgeschrittene Lernende ist das super, aber die Definitionen haben es sprachlich manchmal in sich, so dass du schnell von einem neuen Wort zum nächsten gerätst. Schau trotzdem immer mal in ein Wörterbuch, das nicht explizit für Lernende gemacht wurde – auch hier gibt es viele Zusatzinformationen zu einzelnen Wörtern und immer auch neue Beispielsätze.

Merriam Webster

Im Merriam Webster liegt der Schwerpunkt auf amerikanischem Englisch. Es ist nützlich, wenn das deine gewohnte Englisch-Variante ist, oder wenn du zwischen unterschiedlichen Einträgen vergleichen willst.

Auch hier gibt es Alternativen, und welches Wörterbuch du letztendlich nutzt, hängt davon ab, welche Variante des Englischen du eher nutzt und bei welchem Wörterbuch dir die Nutzeroberfläche eher zusagt.

Raus aus dem Übersetzungs-Modus

Du siehst schon: Wenn du ein zweisprachiges Wörterbuch benutzt, springst du ständig zwischen zwei Sprachen hin und her. Wenn du dagegen in einem einsprachigen Wörterbuch nachschaust, bewegst du dich in einem englischen Umfeld – du liest Definitionen auf Englisch, siehst Beispielsätze auf Englisch und klickst dich durch englische Erklärungen. Dein Wortschatz wird dabei ständig aktiviert und neue Wörter werden mit Wörtern verknüpft, die du bereits kennst. Das macht es dauerhaft leichter, sie dir zu merken.

Mit anderen Worten: Du übst nicht nur das eine Wort, das du nachgeschlagen hast. Du trainierst gleichzeitig, in der Sprache zu denken.

So bekommst du ein Verständnis für die Nuancen einzelner Wörter. Wenn du überlegst, ob du über ein problem oder ein issue schreibst, verzweifelst du nicht daran, welches Wort nun welchem deutschen Wort entspricht, und welches dieser deutschen Wörter nun zu diesem oder jenem Zusammenhang passen könnte. Du bleibst in der englischen Bedeutung und beantwortest für dich selbst die Frage: „Which word do you use in English in this situation?“

Jetzt ausprobieren: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen problem und issue?

Diese Frage taucht in meiner Arbeit regelmäßig auf – und sie ist ein idealer Anwendungsfall für einsprachige Wörterbücher. Überlege erst kurz: Glaubst du, du kennst den Unterschied? Dann schlag beide Wörter in einem Learner’s Dictionary nach. Könntest du erklären, wann du welches Wort verwendest?

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