Juni 18

5 Übungen, mit denen du dich auf englische Gespräche vorbereitest

Bereitest du dich auf Gespräche vor? Ich meine jetzt gar nicht die auf Englisch, sondern ganz allgemein.

  • Das Gespräch mit zwei Eltern vor der Kita-Tür?
  • Deine Antwort auf die Party-Frage "und, was machst du so?"
  • Den kurzen Austausch mit der neuen Kollegin in der Kaffeepause?
  • Das Telefonat mit der IT-Abteilung?
  • Die Frage-Antwort-Runde nach einem Vortrag?
  • Den Vortrag selbst?

Ob und wie du dich auf ein Gespräch vorbereitest, hängt vermutlich davon ab, wie wichtig du das Gespräch findest, wie neu die Situation ist und wie vorhersehbar.

Für Sprachenlerner sind aber fast alle Situationen neu und unvorhersehbar. Sogar die Kaffeepause und die zwei Worte, die man vorm Aufzug wechselt. Wer dazu noch introvertiert, schüchtern oder nervös ist, entwickelt bekanntlich sehr schnell sehr effektive Vermeidungsstrategien.

Warum erwarten also so viele Lernende von sich selbst, in diesen Situationen "spontan" und ohne Vorbereitung zu sprechen?

Warum ist es völlig offensichtlich, dass du dich auf deinen Vortrag vorbereitest oder auf das Vorstellungsgespräch, aber nicht auf die Kaffeepause?

Vorbereitung ist sinnvoll, egal wie trivial die Situation erscheint.

Und:

Vorbereitung heißt nicht, noch schnell so viele Vokabeln und "conversational English phrases" wie möglich reinzupacken.

Heute gebe ich dir 5 Tipps, mit denen du entspannter in englische Unterhaltungen gehst:

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Hast du Lust, diesen Post auf Englisch anzuhören?

Reframing: Wie schätzt du die Situation ein?

Stell dir die Situation vor:

Freunde stellen dir auf einer Party ihre neuen Nachbarn aus Yorkshire vor: "Hey, du wolltest doch eh dein Englisch verbessern!"

Oder die:

Das Kind hat diesen neuen besten und auch wirklich netten Freund in der Kita, und die Mama von Leon freut sich total, dass du Englisch kannst: "I'm from Chicago and my German isn't great yet."

Ach, und die Kollegin aus Schweden? Die spricht natürlich auch fließend Englisch und will sich offensichtlich mit dir anfreunden.

Was geht dir als Erstes durch den Kopf?

Viele Menschen reagieren auf solche Gelegenheiten weder positiv noch negativ, sondern mit einem Mischmasch:

  • Ja toll, stimmt, endlich gibt es Leute, mit denen ich üben kann.
  • Boah, nee, mein Schulenglisch klingt so schrecklich.
  • Cool, ich hätte nicht gedacht, dass ich mal einen internationalen Freundeskreis habe.
  • Eigentlich ist das so unfair, dass ich mir hier jetzt einen abbrechen muss.

Warum reagieren Menschen so widersprüchlich?

In unvorhersehbaren Situationen fühlen wir uns verletzlich und das halten wir nur schwer aus.

Da wird das Gespräch oft von vornherein als Konflikt wahrgenommen, in dem wir uns beweisen müssen. Alle anderen können Englisch, warum ich nicht? Hoffentlich merkt niemand, wie schlecht mein Englisch ist. Mein Leben ist eh schon kompliziert genug!

Solche Gedanken sind verständlich, aber nicht hilfreich. 

Was hilft? Reframing, also "Umdeutung". Situationen, in denen wir uns unsicher und verletzlich fühlen, bewerten wir meist als bedrohlich. Das ist stressig und gibt uns nicht besonders viel Handlungsspielraum. Wenn wir es aber schaffen, die Situation positiv umzudeuten, können wir viel bewusster handeln.

Also: Wie ist das mit der Mama von Leon oder der schwedischen Kollegin? Das sind ja keine Bedrohungen, sondern Unterhaltungen. Im Normalfall sprechen Menschen nicht mit dir, um dein Englisch zu testen. Sie sind neugierig, freundlich oder höflich. Sie freuen sich, dass du bereit bist, mit ihnen Englisch zu sprechen.

Wenn du also merkst, dass deine Krallen ausfahren und du innerlich den Rückzug antrittst, wenn du nur an eine Situation denkst: Frag dich, ob du die Situation positiv als Unterhaltung umdeuten kannst.

Intention setting: Warum bist du eigentlich da?

Worum gehts in dem Gespräch? Was willst du rüberbringen? Mit welchem Gefühl willst du in die Situation gehen?

Meine Yogalehrerin bittet uns am Anfang der Stunde immer ein Wort oder einen Satz zu formulieren, der uns während der Übungen begleitet. Ich bin manchmal ehrlich erstaunt, was mir spontan in den Sinn kommt. Das Wort wirkt dann wie ein Anker: Ich weiß, warum ich auf der Matte schwitze. Und wenn mir eine Übung schwer fällt, gibt mir meine Intention Fokus und Geduld. Übrigens: "Geduld" is ganz oft mein Fokus-Wort...

Auch am Anfang einer Englischstunde ist so ein kurzer Check-in nützlich, um im Hier und Jetzt anzukommen. Oder vor schwierigen Telefonaten. Da schreibe ich mir sogar manchmal meine Intention auf einen Zettel und lege sie neben mich, um mich immer wieder an die innere Haltung zu erinnern, mit der ich dieses Gespräch führen möchte.

Reframing und Intention setting helfen dir, ein hilfreiches "Lerner-Mindset" zu entwickeln.

Warum bist du da? Welche innere Haltung willst du dir selbst und anderen gegenüber mitbringen?

Dabei machst du schon einen Riesenschritt, wenn du dir darüber klar wirst, was in deinen Gedanken kreist. Was wäre, wenn ich neugierig und wertschätzend mit mir selbst umgehe in dieser Situation? Oder geduldig? Oder mit dem ruhigen Wissen, dass es gerade um mein Fachwissen geht und nicht um mein Englisch.

Das dauert auch gar nicht lange:

Nimm dir nur einen ganz kurzen Moment vor dem Gespräch, um eine knappe Intention für dich zu formulieren. Das kannst du machen, während du dir ein Glas Wasser holst oder die Hände wäschst.

Sprachliche Vorbereitung: ohne Vokabelliste ins Gespräch

Das ist der Bereich, den wir eher im Kopf haben, wenn wir an "Vorbereitung" denken. Denn natürlich bereitest du dich auch inhaltlich und sprachlich auf Gespräche vor.

Ich rate dir, das nicht nur für "wichtige" Gespräche zu machen, sondern auch für Parties, Small Talk, die Kaffeepause, die Vorstellungsrunde im Workshop.

Denn: Nein, du musst da nicht völlig spontan sprechen. Vorbereitung für solche Unterhaltungen ist weder trivial noch schummeln. Dieser Mythos vom spontanen Small Talk ist genau das: ein Mythos.

Aber: Mit Vorbereitung meine ich nicht auswendig lernen. Vokabeln und Phrasen lernst du "ongoing", aber nicht direkt vor einem Gespräch. Bitte, bitte, bitte versuch nicht, dir direkt vor einer Party noch ein paar tolle Floskeln ins Hirn zu pressen.

Was meine ich also mit Vorbereitung?

Lass dich im Voraus gedanklich auf die Situation ein. Die meisten Gesprächssituationen sind halbwegs vorhersehbar, du wirst also sicherlich einige Ideen bekommen:

  • Wer ist da?
  • Welche Themen kommen vermutlich auf?
  • Welche Fragen könnte oder möchte ich stellen?
  • Was interessiert mich an diesen Menschen?

Im Eifer des Gefechts kommst du schnell in die Defensive. Hilfe, Englisch, Test. Also bist du gedanklich tendenziell bei dir und deiner "Leistung", konzentrierst dich mehr darauf, ob deine Antworten "gut" sind als auf das eigentliche Gespräch.

Wenn du dir vorher kurz Zeit nimmst, zu überlegen, was dich an den anderen Beteiligten interessiert, gehst du neugieriger und offener in die Situation. 

Techniken, die du für die Vorbereitung benutzen kannst:

Concept maps oder Mindmaps

Mach dir ein loses Diagramm mit Begriffen und Ideen. Ganz ehrlich, wer auf eine Party geht, darf damit rechnen, solche Fragen zu beantworten:

What do you do?
What are your plans for the weekend/ holidays/ summer?
Are you watching the football?

Du kannst diese Liste sicher noch ausbauen, je nachdem, wen du so triffst. 

Fragen stellen

Das ist ja die Superpower in Unterhaltungen. Überleg dir Fragen, die du anderen Menschen stellen kannst. Das heißt nicht unbedingt, dass du dann auch von Person zu Person gehst und deine Fragen runterrasselst (bitte mach das nicht!). 

Es geht nicht um die perfekte Vorbereitung. Du stellst dich einfach gedanklich auf die Situation ein.

Dabei aktivierst du ganz automatisch deinen Wortschatz, völlig ohne Listen. Du stopfst keine Last-Minute Informationen in deinen Kopf, aber du machst es wahrscheinlicher, dass du dich an die Wörter erinnerst, die du schon kennst.

Du willst die Techniken lernen?

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"Das machen andere bestimmt nicht! Die können das einfach."

Schau dir gerne mein Gespräch mit Alexander Reinhold an, der viel in internationalen Meetings sitzt. Er erzählt unter anderem, wie er sich Antworten auf übliche Fragen und typische Anekdoten zurechtlegt, wenn er gerade wieder eine Fremdsprache lernt.

Vorbereitung für die Ohren: Hör dich warm.

Den Trick habe ich aus meiner Lehrerausbildung. Meine Mentorin hat vor wichtigen Klausuren immer ein Sprachfrühstück angeboten. Da konnten sich die Prüflinge alte Prüfungsfragen anhören und sich warmreden. So mussten sie sich nicht erst in der eigentlichen Prüfung in die Fremdsprache einhören.

Du kannst dich unkompliziert aufs Englischhören einstimmen. Pack einen Roman als Audiobuch aufs Handy, oder hol dir einen Podcast, den du schon gut kennst. Oder hör Musik. Dann hast du Englisch schon "im Ohr", bevor du vor echten Menschen stehst. Wenn du magst, sprich mit, dann bist du schon eingestimmt.

Vorbereitung für die Stimme: 2 Übungen

Wie gehts denn deiner Stimme, wenn du Englisch sprichst? Kloß im Hals, stottern, zittern, und nichts geht mehr? Die Stimme ist weg oder belegt oder rau? Das ist natürlich keine ideale Voraussetzung für entspanntes Sprechen, egal in welcher Sprache.

Wenn du dir schon die Arbeit machst, dich inhaltlich und gedanklich auf die Situation vorzubereiten, warum wärmst du dann nicht auch dein Instrument auf?

Du kannst zum Beispiel Atemübungen machen, wenn du sie schon aus dem Yoga oder deiner Meditationspraxis kennst. Ich habe eine Meditations-App und liebe die 1-Minute-Atmen-Übungen.

Oder du wärmst gleich deine ganze Stimme mit auf. Dafür habe ich dir zwei Übungen mitgebracht, die mein Stimmcoach Susanna mit mir macht.

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Was, das sollst du jetzt ALLES machen, zusätzlich zum Englischlernen?!

Ich schlage dir wieder ein bisschen Reframing vor: Du machst das alles als Teil deiner Englischroutine. Nicht zusätzlich.

Sei mit Hirn, Herz und Stimme bei der Sache: Dann gehts entspannter.

Die Zusammenfassung zeigt, dass das alles gar nicht lange dauern muss.

  • Reflektiere kurz: Wie bewertest du das Gespräch? Denk kurz daran, dass das Gespräch kein Englischtest ist.
  • Formuliere eine Intention.
  • Überleg dir, welche Themen vorkommen könnten und mach dir Notizen.
  • Hör dir was auf Englisch an, wenn du einen Moment hast.
  • Wärm deine Stimme auf. Leises Zischen ist auch auf öffentlichen Toiletten möglich, und Kieferübungen eh.
sei spontan komm vorbereitet

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